EUROPA - PALAST

Berlin-Kreuzberg, Stresemannstr. 90

eröffnet: 20.12.1926
geschlossen: ca. 1940?
Sitzplätze: 1843 (1934/1940)
Architekt: Rixhard Bielenberg & Josef Moser (1926) / Schmuckler/Heilmann/Fritsche  (Umbau 1935)
Betreiber:
Phoebus
Emelka
Curt Faber
1926-1931
1932
1933-mind.1940
Kinoname: Phoebus-Palast
neuer Kinoname: Emelka-Palast
neuer Kinoname: Europa-Palast

Bereits 1923 gab es an der Ecke Königgrätzer/Anhalter Str. ein von Architekt Bruno Paul ausgearbeitetes Umbauprojekt eines Marstalls zum Lichtspieltheater 1352 Plätzen. Das Projekt wurde dann  aber erst 1924-1926 als Neubau realisiert.

Im Dezember 1926 übergab die Phoebus ihr neues Großtheater am Anhalter Bahnhof in Berlin der Öffentlichkeit. Fast gleichzeitig wurde auch in München ein Phoebus-Großtheater eröffnet. Sie dokumentierten rein äußerlich den Zug nach dem Großkino, der sich damals in Deutschland immer stärker ausprägte. Man folgte langsam aber sicher dem amerikanischen Vorbild.
Der "Phoebus-Palast" war in gewissem Grade typisch für die neue Baumethode.  So zeigte sich auch hier vor allen Dingen eine bedeutende Erweiterung des Ranges. Er stieg in einer wohl proportionierten Linie ziemlich beträchtlich 'n die Höhe, war aber trotzdem so gegliedert, das man auf keinem Platz das Gefühl hatte, irgendwie gedrängt zu sitzen. Die Zugänge zum Parkett und zu den oberen Räumen waren vollständig getrennt. Man hatte für die oberen Plätze eigene Foyers und Garderoben, eigene Zugänge und Umgänge eingerichtet, so das eigentlich beide Teile des Theaters in sich abgeschlossen waren. Das Oberlicht war ebenfalls in einer besonderen Form angeordnet. Man verzichtete durchweg auf eigentliche Beleuchtungskörper. Das Licht fiel aus einer sternartig ausgebauten Kassette in der Decke des Hauses und kam verdeckt, wie man das schon in andern Theatern sah, aus Leisten, die rings um den oberen Teil des Hauses gelegt waren. Die Bauausführung lag in den Händen der Firma Heilmann & Littmann, die sich die Pläne von den
Architekten Bielenberg und Moser entwerfen ließ. Auf eine Orgel verzichtete man. Dagegen war die Bühne in großem Stil ausgebaut. Sie besaß alle zeitgemäße technischen Neuerungen. wie Rundhorizont, direkte und indirekte Beleuchtung. Es waren Scheinwerfer an den verschiedensten Stellen und in den verschiedensten Stärken angelegt, so das das Haus eventuell im Sommer auch für Revuen oder Operetten benutzt werden konnte. Das versenkbare Orchester war für 50 Musiker konzipiert.
Die Doppelfront an der Anhalter sowie der Königgrätzer Str.(später Stresemannstr.) strahlte mit tagheller Lichtreklame, die zahlreichen Zugänge halfen, Staus zu vermeiden. Von den großzügigen Kassen- und Wandelhallen gelangte man ins Innere. Der Saal wurde von einer Kuppel gekrönt und war in den Farben Blau, Silber und rötlich-gelb gehalten. Der mächtige Rang annähernd bot 1000 Personen Platz, ebenso das Parkett. Sämtliche Kinosessel waren gepolstert. Der Eintritt kostete 4 Mark. Eröffnungsfilm war der Joe May-Film "Dagfin, der Schneeschuhläufer". L26301 K261036

1932 nannte sich das Kino nach der Übernahme durch die gleichnamige Firma  kurzfristig "Emelka-Palast", ab 1933 übernahm dann Curt Faber das Theater und nannte es bezogen auf das Haus "Europa-Palast". Schon ab 1942 wird das Kino nicht mehr in den Kinoadressbüchern  genannt, laut dem Buch "Kinoarchitektur in Berlin" soll es jedoch auch nach der Beseitigung von Kriegsschäden bis 1960 gespielt haben. Wer weiß Genaueres?
Nachttrag 1921: Anscheinend das Berliner Rockwiki! Das Haus nannte sich nach dem Krieg "Metro" oder auch "Roxy", taucht aber in den Kinoadressbüchern nicht mehr auf, so das man davon ausgehen kann, das die Aktivitäten sich auf andere Unterhaltungsformen verlagerten, z.B. die dort aufgeführten Konzerte.


Ansicht 1927 (Bildquelle: Deutsche Digitale Bibliothek)


Foyer 1926 (Bildquelle: Der Kinematograph 1036/1926)

Saal 1926 (Bildquelle: Der Kinematograph 1036/1926)
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Datum der Erstellung/letztes Update: 26.04.2021