RESIDENZ - THEATER

Darmstadt (Hessen), Ernst-Ludwig-Str. 1

eröffnet: November/Dezember 1910     FB1910122
geschlossen: ca.1944
Sitzplätze: 300 (1910/1926) - 250 (1928)
Architekt: Georg Küchler
Betreiber: Ludwig Weber                                         1910-1917            Kinoname zwischenzeitlich auch: Hof-Theater
Alwin Fricke                                            1918
Christoph Reich,                                      mind.1920-1927
Hess. LS-Theater AG Dir: E. Berger       1928
geschlossen                                              1929-1931
Paul Laube                                               1932-ca.1935        neuer Kinoname: "Resi" - Residenz-Theater
Tonbild GmbH Gf: H. Dächert                ca. 1935-mind.1942


Zur Eröffnung 1910 schrieb die "Lichtbild-Bühne" in ihrer Ausgabe 124:
...Da, wo der alte Theaterdirektor Xaver Krebs im Dienste Thalias 1808 began, den Hunger der Bevölkerung nach Kulissenzauber, Schauspielkunst und dramatischer Kost zu befriedigen, wo vom 26. Juni 1810 durch Großherzog Ludwig I. dieser Musentempel in das "Großherzogliche Hoftheater" verwandelt wurde, wo ein Jahrhundert lang die Stätte der Schminke, der Intrigen und Leidenschaften, der echten, nie zu entbehrenden Schauspielkunst war, da fand am 30.9.1810 im "Theater an der alten Post" die letzte Vorstellung statt.
In der Mitte des 19. Jahrhungerts besaß hier die Gendamerie ihr Heim. Bald darauf muß wohl das "Hotel Zur Alten Post" entstanden sein, das in den 60er-Jahren der "alte Schmidt" leitete. Zu diesem Hotel gehörte damals als Depandance der Seitenbau, in dem heute noch eine Restauration betrieben wird. Dieser ist insofern bemerkenswert, als sich hier wohl das "Krebsche Theater" befand.
Jetzt ist nun das neue "Residenz-Theater", ein moderner, streng neuzeitlich gebauter Kinematograph, am Weißen Turm eröffnet worden. Das Theater ist einstöckig und bedeckt den früheren Biergarten der "Alten Post". Ein kleiner Teil des Baus schiebt sich sogar noch unter die Wirtschaftsgebäude der "Alten Post", mit dem er durch eine Tür verbunden ist. Die Pläne zu dem Neubau sind von dem Architekten Georg Küchler, der auch die Ausführung leitete. Über die Gesichtspunkte, die bei der Projektierung maßgebend waren, erfahren wir Folgendes: Für den Aufbau im Äußeren galt es, einen würdigen Eindruck zu finden, der zwar den neuen Gedanken hervorheben, nicht jedoch banal und schreiend wirken oder gar an Jahrmarksbuden erinnern sollte. In Rücksicht auf die Nähe des unter Denkmalschutz stehenden "Weißen Turms", dessen Bild durch den Neubau nicht beeinträchtigt werden durfte, lag der Gedanke nahe, in Anlehnung an dies alte, würdige Bauwerk, das Neue in eine Portikusform zu bringen, die in Harmonie zu dem Turm stehend, das Straßenbild nicht beeinträchtigt und dabei dem Zwecke entspricht. Die Höhe der umliegenden Gebäude bedingt eine Höhenentwicklung der Fassade und kräftige Konturen. So entstand die Portikusform, die zugleich als Vorraum für das Theater dient.
Der Zuschauerraum selbst ist etwa 23 Meter lang, 8 bzw. 9 Meter breit und fasst 300 Sitzplätze, die elegant ausgestattet und so bequem angeordnet sind, daß der Zuschauerwechsel bei offener Szene stattfinden kann. Die lichte Höhe ist 5 Meter. Die Bildtafel liegt direkt dem Eingang gegenüber und ist in bühnenähnliche Form gebracht. Nach rechts gehen 3 Notausgänge, nach der Rückseite - seitlich der Bildtafel - liegt der Zugang zu den Toilettenräumen. Das Ganze ist durch Niederdruckdampfheizung erwärmt und hat zwei Ventilationen mit 2 in der Decke angebrachten Saugöffnungen. Hier wird die verbrauchte Luft abgesaugt und von anderer Seite Frischluft zugeführt.
Das Innere ist ganz in Farben gehalten, Decke und Wände sind in hellem Blau  mit dem Schwamm getupft, dazwischen helle schablonierte Friese in Bogenform über Decke und Wand geführt mit Längsfriesen. An den Kreuzungen der Gurte und Längsfriesen hängen die Beleuchtungskörper in Pendelform mit Glasketten verbunden. der Sockel besteht aus entsprechend getöntem Preßputz.
Der Projektionsraum ist vollständig durch massive Mauern vom Zuschauerraum getrennt und innen mit Rabitz feuersicher ausgekleidet.

Die "Darmstädter Zeitung" schrieb in ihrer Premierenkritik:
...Hat man das geschmackvoll in braunem Holz gehaltene kleine Foyer durchschritten und betritt man den Theaterraum, so ziehen sich rechts und links an den ornamentgeschmückten Wänden die Sitzreihen hin, die stufenförmig gehalten sind, womit Gelegenheit geboten ist, von jedem Platze aus genügend sehen zu können. Die Sitze - bequeme Klappsessel - bestehen ebenfalls aus braunem Holz. Die Mitte des Theaters durchzieht ein teppichbelegter breiter Gang, der vorne zu der Bühne und zu dem Orchester führt. Dieses besteht aus sechs tüchtigen Musikern, die die einzelnen Bilder musikalisch begleiten.
...Die Eröffnungsvorstellung wurde eingeleitet durch einen von Herrn Kroczak - Mitglied des Hoftheaters Darmstadt - gespochenen Prologes, der von dem Sohn des Lichtspielhausbesitzers, Herrn August Weber, verfasst wurde.

Das Gebäude wurde wohl im Krieg zerstört, zumindest ist das Kino danach nicht mehr eröffnet worden.

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