U.T. - LICHTSPIELE

Dresden (Sachsen), Waisenhausstr. 22

eröffnet: 28.Februar1913
geschlossen: 1945
Sitzplätze: 1000 (1918) - 1110 (1940)
Architekt: Martin Pietzsch, Dresden-Blasewitz
Betreiber: Pagu, später Ufa, Berlin         1911-1914
U.T. Lichtspiele-Gesellschaft, Bremen Gf: Ignatz Wilhelm  1914  L1420
Ufa                                                        1924-1930
Max Plötner                                           1930-1945

Das U.T. (Uniontheater) kann man als erstes "Superkino" Dresdens bezeichnen. Es wurde 1911 vom Architekten Martin Pietzsch an der Waisenhausstraße 22 errichtet. Die 1 120 Sitzplätze verteilten sich sogar auf Rang- und Seitenlogen. 1930 übernahm Max Plötner die Leitung des Hauses, bis zur letzten Vorstellung am Nachmittag des 4. Februars 1945. Am 13. Februar 1945 nicht vollständig zerstört, erwog man zunächst die Ruine wieder zum Großkino auszubauen, was allerdings vom Zentralplanungsbüro und vom Rat des Bezirkes abgelehnt wurde. Auch Vorschlägen aus der Bevölkerung wenigstens ein Interimskino in der Ruine einzurichten wurde nicht statt gegeben. 1964 wurde schließlich die Beseitigung der Ruine beschlossen.

Quelle: dresden.stadtwiki.de

Von der Waisenhausstraße betrat man ein Vestibül, durch die ging es durch eine lange Zugangshalle in eine Wandelhalle,die zu den Treppenhäusern, den Garderoben und dem Buffet führte. Sieben Flügeltüren führten zu dem Kinosaal, welcher 30m lang, 17m breit und 10m hoch war. Zu den Ranglogen führten breite Treppen und 600 Glühbirnen spendeten Beleuchtung. Darüber lag der "Operationsraum" und Nebenräume. 1000 Sitzplätze waren vorhanden.

Der Kinosaal war in Schwarz-Grün-Gold gehalten, die Beleuchtung in Grün und Gold.

Quelle: Der Kinematograph 316

Der Lichtspielpalast wurde auf einem Gartenterrain errichtet, das von den Grundstücksrückseiten  der Prager-, Weißenhaus, Viktoria- und Ferdinandstraße begrenzt wird. Um die langgestreckte Zugangshalle breiter erscheinen zu lassen, wurden flachornamentierte Gurtquerteilungen angebracht, die plastische Abbildung der im Grund der Baustelle zahlreich gefundenen Kurfürstentaler zeigen.

Die im Grundriß segmentförmig hohe Wandelhalle endet in je einem Treppenhause, an das sich die Buffet-, Garderoben- und Klosettanlagen anschließen. Die prächtige Raumwirkung ist durch eine in grauem Marmor und Spiegelwandbelag ausgeführte Ausstattung erreicht. Durch die zahlreichen Mattglühbirnen in der Decke ergeben sich schöne Lichtspiegelungen, eine festliche Wirkung hervorrufend. Sieben breite Flügeltüren führen zum Theatersaal selbst. Sie sind mit durchscheinenden, von Glühbirnen erhellten originellen Glasfüllungen bekrönt. In hufeisenförmiger Anordnung tragen 14 schlanke Schäfte eine 10 Meter hoch liegende , durch reiche Linienführung belebte Decke. Zwölf Logenbrüstungen verbinden in Ranghöhe leicht geschwungen Schaft mit Schaft und führen durch die fein abgestufte Proszeniumsarchitektur zur Bildwand über, die hocheingerahmt ein tiefgrüner Vorhang schließt. Ein breiter Wandelgang umschließt an den Schaftrückseiten das Saalinnere. Die Seitengangumfassungsmauern sind mit schwarzpolierter glatter Holzumtäfelung bekleidet, auf der altgoldene Beleuchtungskörper befestigt sind. Die gesamte Innenarchitektur erstrahlt in Goldbronze.

Unter dem Theater befindet sich ein gleichgroßer Saal, der noch im Bau ist und später zu Variété, Tanz und ahnlichem Amüsement eingerichtet werden soll.

Das Haus wird durch eine Niederdruckdampfzentralheizungs- und Entlüftungsanlage erwärmt und entlüftet. Eine mit der städtischen Feuerwehr direkt verbundene Alarmfeuermeldeanlage gewährt die Sicherheit im Haus. Eine Haustelefon- und Staubsaugeanlage vervollständigen die neuzeitlichen Einrichtungen. Die Hauptraumbeleuchtung spendet die Decke, von der aus 600 mit Glasperlen gefüllte  aus gleichmäßig um dieselben laufenden Lichtkränzen erstrahlen. Die 14 Schäfte tragen in der Mitte aufsteigend mit Goldperlen verhängte Lichtbänder, die oben in einem Lichtkapitell enden. 200 grünfarbige Lichtbirnenpendel erhellen die Ranglogen. Das elektrische Lichtspiel grün-gold stimmt harmonisch mit dem schwarz-grün-goldenen Farbenklang der Saalfärbung zusammen. Schwarzes Gestühl mit hellgrünen Überzügen vervollständigt die Stimmung. Von den 750 bequemen Parterresitzplätzen und 250 Rangsitzplätzen haben die Besucher freien Ausblick nach der Bildfläche. Ein geflechtartig behandeltes   Deckengesims schließt den Raum nach oben ab. Das Orchester (Kapelle mit 25 Mann) ist vertieft vor der Bildfläche angeordnet. Da der ganze Baukern aus Eisenbeton hergestellt wurde, ist eine einwandfreie Feuersicherheit gewährleistet. 

Im Ranggeschoß befindet sich eine zart ausgestattete Königs- und Fremdenloge. Die Leitung des Theaters liegt in den Händen von Direktor Wilhelm aus Berlin, der auch wissenschaftliche Abendvorführungen plant. 

Eröffnung war im Februar 1913 - nicht 1911, wie man aus dem Artikel im Dresdner Stadtwiki schließen könnte.

Die beiden Großkonzerne "Ufa" und "Emelka" waren sich bis 1924 uneinig über die Besitzverhältnisse. DasTheater wurde von der "Ufa" betrieben, die "Emelka" war jedoch am Einspiel der Dresdner "Ufa"-Theater beteiligt. L24147

 
 
 
 
 

Bildquelle: Deutsche Bauzeitung 1913

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