EUROPA - PALAST

Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen), Graf-Adolf-Str. 44

eröffnet: 12.05.1904 - 16.11.1928 (Europa-Palast)
geschlossen: 1964
Sitzplätze: 600 (1918) - 430 (1927) - 1741 (1937)
Architekt: A. W. Venkord (1909) - Jacob Koerfer (Neubau Europa-Haus 1928) - Ernst Huhn (Renovierung 1949)
Betreiber: Christian Winter                                                                                                                     1904-1913          Kinoname: Wunderhalle
Astra-Film, Dir: Hermann Levie                                                                                              1917-1918          Kinoname: Palast-Theater
Nationalfilm AG, Berlin. Dir.: K. Neumann                                                                             1919-1927          neuer Kinoname: Kammer-Lichtspiele
Europa-Palast-Theater GmbH  Gf: Karl Gordon                                                                     1928-1929          neuer Kinoname: Europa-Palast
Emelka-Theater A., München   Gf: Karl Gordon                                                                     1930-1931
Kölnische Haus- und Grundstücksverwaltungs GmbH, Köln-Lindenthal  Gf: Walter Sander     1932-1936
Koerfer & Co., Berlin                                                                                                            1937
Residenz-Theater GmbH: Dir. Fritz Genandt & Max Witt, Berlin                                             1938-ca.1944
Residenz-Theater GmbH                                                                                                        1945-1953
Ufa                                                                                                                                        1954-1964

Die Keimzelle des Kinos war das "Arabische Café".  Lesen Sie hierzu den Wikipedia-Eintrag.
1904 baute Christian Winter hier ein ständiges Kinematographentheater mit dem Namen "Wunderhalle" ein. Es war laut Eigenwerbung das erste ständige Filmtheater Deutschlands.
196 brachte Winter in seinem Kino als Erster in Westdeutschland auch Tonfilme heraus - es handelte sich um Duskes-Filme mit Grammophon. 1905 wurde das Haus dann vergrößert und war mit damals 650 Plätzen wohl ebenfalls führend in Deutschland. Winter richtete auch die erste Filmvorführerschule Deutschlands ein. Um 1909/1910 errichtete Herr Winter dann 7 weitere Filialen in Aachen, Koblenz, Köln, Osnabrück, Dortmund und Münster, wohin er sich 1913 dann auch zurückzog und die dortige "Schauburg" ausbaute. Das Kölner Theater gab er 1913 auf, da es nicht käuflich erwerbbar war. Der neue Betreiber nannte das Kino schlicht "Tonbild-Theater", wurde in der Fachzeitschrift "Lichtbild-Bühne " aber nicht namentlich genannt. Schwer fällt auch die Zuordnung, da in den Kurzberichten immer wieder von Neueröffnungen die Rede ist, so das wie in diesem Falle manchmal Jahre braucht, um die Informationen richtig zuzuordnen...
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Warum soll ein Kinematographen-Theater kein Theater sein können? sagte sich die Theater-Betriebsgesellschaft m. b. H , Düsseldorf, und baute das Palast-Theater mitten in die Graf Adolf-Straße, dahin, wo die Kino-Theater am dichtesten stehen. Und warum soll ein Theater immer ein Gebäude sein, sagte sich der mit dem Entwurf beauftragte Architekt A. W. Venkord. Ein Theater ist ein Haus, das nie voll genug sein kann. Folglich soll die Architektur eines Theaters, besonders eines Kino-Theaters, einen Raum weniger umschließen als dem Passanten öffnen, sie soll einlädt und wirken. Der sehr glückliche Entwurf, der die Rückseite unserer Zeitschrift mehrmals zierte, löst das widerspruchsvolle Problem. Von der Straße aus sehen wir kein Gebäude, keine Front, sondern ein Portal und zwar ein sehr schönes, monumental wirkendes Portal, von dem man in den Palast führt. Die vornehme Wirkung dieser kühnen und originellen Architektur wird durch das verwandte schöne Material und die Gediegenheit der Details noch erhöht. Und dieses verheißungsvolle Portal hält, was es verspricht. Das sehr geräumige Innere macht einen vorzüglichen, luftigen und angenehmen Eindruck. Zu der schönen Übersichtlichkeit des Ganzen und besonders der Sitzreihen mögen die hier geltenden neuen polizeilichen Bestimmungen nicht wenig beigetragen haben. Am Samstag den 27. November wurde das Palast-Theater eröffnet und die Eleganz desselben machte auf die Anwesenden einen vorzüglichen Eindruck. Die Bühne, die Beleuchtung, die Bestuhlung, alles zeigt einen großstädtischen Charakter und die Absicht, dem besseren Publikum und dessen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Innendekoration, ebenfalls nach den Entwürfen des Architekten A. W. Venkord ausgeführt, zeugt von Geschick und Geschmack, wenn vielleicht das Lichtbild auch durch die sehr licht gehaltenen Flächen der Wände und des Gewölbes eine starke Konkurrenz erfährt. Die erste Vorführung brachte im großen und ganzen ein gediegenes und interessantes Programm, dessen Wirkung durch die Musikvorträge und Begleitungen des vom Kapellmeister Gustav Lubnau geleiteten Orchesters noch gesteigert wurde. Es ist erfreulich, sagen zu können, dass das Palast-Theater im Düsseldorfer Kino-Theaterwesen einen merklichen Fortschritt bedeutet und dass unsere Stadt ein Kino-Theater aus einem Guss besitzt. Das Publikum schließt so leicht von den mit Plakaten verunzierten Eingängen vieler Theater auf das Innere und auf das Wesen der Filmkunst, da der Vergleich mit einem Bühnen-Theater doch zu nahe liegt. Das Palast-Theater kann einen solchen Vergleich schon riskieren.
Quelle:Der Kinematograph 153/1909

Mit dem Film "Kampf ums Matterhorn" wurde am 16.November 1928 dann der neuerbaute "Europa-Palast" - integriert in das "Europa-Haus" - eröffnet. Regisseur und Hauptdarsteller Luis Trenker sowie Darsteller Peter Voß waren persönlich anwesend.
Die breite Eingangshalle des Kinos war mit gelbem Marmor verkleidet, der dahinterliegende Empfangssaal, in dem Garderoben und die Kassen untergebracht waren, zeigte rote Abtönung, das Parkettfoyer und der Umgang waren in Blau gehalten. Die Aufgänge zum RAng waren in Chromgelb gehalten. Der Theaterraum selbst hatte mit goldgelben Velvet bespannte Wände, moderne Glaskörper spendeten opalisierendes Licht und teilten die großen Flächen auf. Die Decke war Silber mit mattgoldenem Rand. Der Raum wirkte etwas kühl, durch die Anordnung des großen Deckenleuchtkörpers in der Längsrichtung des Saals wirkte der Raum auch etwas länger, als er in Wirklichkeit war. Die Leitung des 25 Musiker starken Orchesters hatte Bruno Weyersberg, Direktor war der erfahrene Karl Gordon.
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Nach seiner Zerstörung im Krieg wurde das Kino bereits 1945 wiedereröffnet, jedoch erst 1949 endgültig saniert. Nach einer Kassettierung der Decke wurden die Wände mit weinrotem und goldenen Velvet bespannt, goldene Stores über den Türen der Seitenlogen angebracht und die Sockel des Theaterraums mit Holzvertäfelung versehen. Neue Polsterbestuhlung und Sessel garantierten Bequemlichkeit und eine moderne Beleuchtungsanlage (Buchkötter, Krefeld) unterstrich den repräsentativen Eindruck. Auch Treppen und Gänge wurden restauriert. Als äußerlich lockende Einladung erhielt das Theater eine breite Passage, die in Glasvitrinen Erzeugnisse Düsseldorfer Firmen zeigten. In der Eingangshalle lude Clubsessel mit Rauchtischen zum Verweilen ein. N4926 W4930
In den 1960er Jahren wurde es abgerissen und ein Neubau als Horten errichtet




Arabisches Café um 1900

   
Europahaus 1937    (Bildquelle: Postkarte)                                          Europa-Palast 30er-Jahre (Bildquelle: Postkarte) 

   
Saal 1935   (Bildquelle: Postkarte)                                                          Saal 1949 (Bildquelle: Der Neue Film  26/1949

     
Fassade 1949 (Bildquelle: Der Neue Film 29/1949)                             Foyer 1949 (Bildquelle: Filmwoche 30/1949)

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Datum der Erstellung/letztes Update: 30.04.2020