APOLLO - THEATER

Emden (Niedersachsen) , Zwischen den Bleichen 2

eröffnet: 1930 - Anfang 1950 (Wiedereröffnung)
geschlossen: 31.07.09
Sitzplätze: 583 (1940) - 650 (1958) - 531 (70er) - „Stern“ 186 Plätze, „Apollo“ 171 Plätze, „Rex“ 132 Plätze (1980)
Architekt:  Janssen & Latta (Wiederaufbau 1949)
Betreiber: Familie Hempel                              1930-1944
ausser Betrieb                                1944-ca. 1948
Otto Neubauer                               1950-Mitte 60er
Fam. Jentsch                                  Mitte 60er-ca. 1980
Friedo Buschmann                         ca. 1980-ca. 1990
Vereinigte Filmtheater-Betriebs-GmbH ca. 1990-1994
Groteheide Ostfriesische Filmtheater GmbH 1994-1998
Ostfriesische Filmtheater GmbH                   1999-2009

In der Zeit zwischen 1928 und 1930 entstand das „Apollo-Theater“ an der Straße Zwischen beiden Bleichen 2. Zuvor gab es ab 1908 schon mal ein gleichnamiges Kino an der Neutorstraße mit ungefähr 240 Plätzen. Bei dem neuen „Apollo“ handelte es sich um einen Zweckbau mit ca. 650 Plätzen, der wahrscheinlich auch über eine Theaterbühne verfügte.

Die Küstenstadt Emden wurde wie die Küstenstadt Wilhelmshaven im Krieg schwer zerstört. Am 6. September 1944 erlebte die Stadt den schwersten Luftangriff: Innerhalb von nur 18 Minuten fielen etwa 1.600 Sprengbomben und 14.000 Brandbomben. Insgesamt wurden in Emden etwa 78 % des Wohnungsbestandes sowie alle Kinos zerstört bzw. stark beschädigt.

So wurde auch das „Apollo-Theater“ getroffen, es konnte erst nach dem Krieg wiedereröffnet werden. Es ist (seit der Schließung des Oldenburger „Wall-Kinos“ im April 2007) das älteste Kino im Untersuchungsgebiet Oldenburg / Ostfriesland, das heute noch, wenn auch in baulich veränderter Form als Kino-Center, betrieben wird.

Um das Bedürfnis der Emder Bevölkerung nach Unterhaltung, Ablenkung und Information in den schweren Kriegsjahren befriedigen zu können, wurden in Emden, genauso wie in Wilhelmshaven auch, Ausweichkinos eröffnet. Die Filmvorführungen fanden nun im Saal der Gaststätte „Sternburg“ an der Auricher Straße, dem Saal der Gaststätte „Mundt“ an der Wolthuser Landstraße (heute Wolthuser Straße) und im Casino der Emder Kaserne statt. Das Ausweichkino in der Gaststätte „Sternburg“ unter dem Namen „Lichtspiele“ mit 250 Plätzen gehörte der Familie Jentsch – vermutlich dieselbe Familie, der auch die inzwischen zerstörten „Lichtspiele“ gehörten. Der Betrieb der Ausweichkinos „Lichtspiele“ und „Die Kurbel“ wurde gegen Ende der 40er- oder zu Beginn der 50er-Jahre eingestellt.

Das „Apollo-Theater“ von Otto Neubauer war ab 1950 mit 570 Plätzen wieder in Betrieb. Die beigefarbenen Wände des neuen Baus waren mit kaffeebraunen Rupfen und Holztäfelungfarblich abgestuft und wurden nebst der kasettenförmig aufgeteilten Decke aus Akustikplatten und dem goldgetönten Vorhang vom Vorführraum aus stimmungsvoll ausgeleuchtet. Die Projektionsfläche wies eine Fläche von 30 qm auf und erhielt durch einen Eurodyn-Klangfilm-Verstärker akustisches Leben. N5012 

Ab 1956 konnten hier kaschierte Breitwandfilme gezeigt werden, ab 1958 auch CinemaScope-Filme. Zu dieser Zeit verfügte das Premierentheater über 650 Plätze.

Mitte der 60er Jahre übernahm die Familie Jentsch den Betrieb und überlebte die Emder Schließungswelle. Das Filmtheateradressbuch von 1966 bezeichnet das Kino als „Familienkino“, es wird zu dieser Zeit ein breites Programm für möglichst viele potenzielle Zuschauer gezeigt haben.

Im Laufe der 70er-Jahre reduzierte die Familie Jentsch die Sitzplatzzahl im „Apollo“ von 650 auf 531. Etwa 1980 erwarb der Leeraner Kinounternehmer Friedo Buschmann das Gebäude und ließ es zum „Kino-Center Emden“ mit drei Sälen („Stern“ 186 Plätze, „Apollo“ 171 Plätze, „Rex“ 132 Plätze) umbauen. Der Große lange Saal wurde dafür in 3 Säle aufgeteilt. Ähnlich wie in den Centern anderer Städte wurden auch hier die bestellten Getränke an den Platz geliefert, zudem war auch das Rauchen während der Vorführung erlaubt.

Etwa 1990 verpachtete Friedo Buschmann das „Kino-Center-Emden“ mit insgesamt 489 Plätzen in den drei Sälen an die „Vereinigte Filmtheater-Betriebs-GmbH“ aus Hannover, ab 1992 wurde das Kino von dem gleichnamigen Betreiber aus Hamburg weiter betrieben. Dieser gab das Kino zwei Jahre später an die „Groteheide Ostfriesische Filmtheater GmbH“ ab. Seit dem 1. Januar 1999 wird es von der „Ostfriesischen Filmtheater GmbH“ aus Papenburg bespielt, das Foyer wurde später neu gestaltet. Das Programm dieses Centers entspricht dem anderer Städte, das Publikum bestand aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Eröffnung des neu erbauten „CineStar“ an der Abdenastraße 15 im Jahr 2002 löste Abwanderungstendenzen aus.

Am Freitag, den 31.07.09 schloß das Theater nach 80 Jahren seine Türen. Die weitere Nutzung ist noch ungewiß - unter anderem gibt es Pläne, das Theater wieder zum historischen Ein-Saal-Kino unter Berüchsichtigung von historischen Details zurückzubauen. Unterdessen wurden viele Gegenstände ausgebaut und in einer 30 Kilometer entfernten Tanzschule in Leer integriert.

  Vor der Kriegszerstörung: Filmtitel: "Es geht um    alles" (1932)
                                          Das Kino im Sommer 2004 

Quellennachweis:

Die Informationen zu den Kinos stammen aus meiner Diplomarbeit "Die Kinoentwicklung in der Region Oldenburg / Ostfriesland zwischen 1945 und 2004". Hier finden Sie auch die genauen Angaben zu den von mir verwendeten Quellen. (Auf genauere Fußnoten verzichte ich hier aus organisatorischen & zeitlichen Gründen.) Als Forschungsgrundlage dienten alte Filmtheater-Adressbücher und Interviews mit den (ehemaligen) Betreiberinnen und Betreibern.

Vielen Dank an Stephan Bents für die Gestaltung dieser Seite

Vielen Dank auch an Stephan Frenzel und Frank Dietrich für die Informationen zur Schließung.

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