STERNTHEATER

Göttingen (Niedersachsen), Sternstr. 7

eröffnet: 04.09.1949
geschlossen: Anfang 2011
Sitzplätze: 941/406 (19581967) - 465/257 (2009)
Architekt: Alfred Farnik, Heidelberg
Betreiber: Joachim Bernau                             1949-1956
Horst Krause                                 1956-1986
Hans-Joachim Flebbe                    1986-1996
Union-Theater, Hamburg               1996-2003
CinemaxX                                     2003-2008
Vereinigte Kino Betriebe GmbH, Adelheidsdorf Gf: Torben Scheller       2009-2011

Am 4. September 1949 wird aus der alten Reithalle der früheren Wörthkaserne in der Sternstraße das von Dipl.-Ing. A. Farnik aus Heidelberg neu geschaffene "Sterntheater" der Direktion von Joachim Bernau als fünftes Göttinger Lichtspielhaus mit dem englischen Film "Die schwarze Narzisse" neu eröffnet. Das Theater fasste 941 Besucher und ist somit das größte Kino in Göttingen.

Bereits 1946 fasste man den Plan, Teile der Kasernen-Anlage in ein Filmtheater umzuwandeln. Erst nach der Währungsreform wurde das Projekt dann verwirklicht. Ein riesiger Kamin war der Blickfang des lichten, mit weißen und roten Kunststeinplatten ausgelegten Kassenraums. Das sich anschließende Foyer mit Bar, einer Plauderecke und Garderobe wirkte vornehm und elegant. Die hypermoderne Note des 21,5 m breiten und 28,5 m langen Zuschauerraums war vor allem durch die dunkelblaue Wandbespannung, den goldenen Bühnenrahmen, einen goldgewirkten Bühnenvorhang und fein abgestimmte Beleuchtungseffekte bestimmt. Der angedachte spätere Einbau eines Balkons, was die Sitzplatzkapazität auf 1200 gesteigert hätte, wurde nicht verwirklicht. Die Parkettsessel hatten Schwingsitz und Schwinglehne. Vier an den Ecken des Theaterraums gelegene Ein- und Ausgänge gewährleisteten reibungslosen Publikumsverkehr.Die Askania 1-Bildwerfer sorgten für pausenlose Vorführung. W4964

Im Juli 1955 wurde das "Sterntheater" auf das CinemaScope-Format umgerüstet. Die Leinwand wurde von 28 auf 84 Quadratmeter erweitert und somit war das "Stern" das größte CinemaScope"-Theater in Niedersachsen. Dem Zuschauer wurde ein “echtes Miterleben“ geboten durch einen größeren Blickwinkel. Die Kinobetreiber hofften, dass durch die größeren Leinwände das Publikum dem Kino gewogen bleibt. In den amerikanischen Kinos waren in den vergangenen drei Jahren, nach der schlagartigen Einführung des Fernsehens, die Besucherzahlen um bis zu 60 Prozent zurückgegangen. Ähnliches wurde auch für die Bundesrepublik befürchtet.

Am 01.Juli 1956 übernahm Kurt Krause, der seit 1951 das Kino "Die Krone" in Göttingen betrieb, von Joachim Bernau das Kinoi. Der Deal wurde übrigens bei einem Vatertagsausflug eingefädelt…

Am 19.1.1957 besuche Hauptdarsteller Hans Holth anlässlich der Aufführung seines Filmes "Die Trapp-Familie" das "Sterntheater". Der Film mußte danach mehrfach prolongiert werden.

Zur festlichen Premiere des Filmes "Bel Ami" am 19.9.1957 besuchten Johannes Heesters und Marianne Schönauer das Kino.

Am 23.10.1957 wurde auf der Bühne des "Sterntheaters" „ein Meisterabend froher Unterhaltung“ geboten. Unter den Darbietenden u.a. Trude Herr und Rudi Schuricke.

Am 11.12.1957 wird das Richtfest des "Sternchens" gefeiert. In lediglich 10 Tagen ist der Rohbau entstanden und bereits am 25.12. erfolgt die feierliche Eröffnung mit dem Film "Krieg und Frieden" mit Audrey Hepburn und Henry Fonda.Das "Sternchen" war benachbart zum "Sterntheater", wobei dasselbe Foyer genutzt wurde. Mit seinen 408 Plätzen war der neue Saal als Studiokino gedacht, in dem anspruchsvollere Filme gezeigt wurden. Das "Sternchen" war darüber hinaus als „Ausweichtheater“ gedacht, wenn der große Saal wegen Bühnenveranstaltungen nicht bespielt werden konnte.

Ende Januar 1958 trat Zarah Leander als Höhepunkt und Abschluss eines Unterhaltungsabends im Kino auf und singt einige ihrer weltbekannten Hits wie „Yes, Sir“ und „Kann denn Liebe Sünde sein?“.

Am 13.6.1959 eröffnete die Sternklause benachbart zum Kino. Die Bier- und Weinstube bot Platz für 60 Personen.

Im Oktober 1960 wurde das "Sterntheater" zum „Flimmer-Auditorium“. Wegen Raummangel wurden Vorlesungen der Georg-Augusta-Universität -vorwiegend für Germanisten und Anglisten- in das knapp 1000 Plätze bietende Filmtheater verlegt. Der Kinosaal wurde dafür mit zusätzlichen Leuchtstoffröhren ausgestattet und vor dem Kino schuf man Parkraum für 250 Fahrräder, um eine Blockierung der Sternstraße mit Fahrrädern zu verhindern.

Am 29.11.1962 gastieret KLAUS KINSKI im "Sterntheater" mit den klassischen Monologen von Schiller, Goethe und Shakespeare.

Viele bekannte SchauspielerInnen und SängerInnen besuchten im Laufe der Jahre das STERNTHEATER. Im Gästebuch des STERNTHEATER finden sich u.a. Namen wie: Renate Kern (1965), Rex Gildo, Roy Black, Manuela, Udo Jürgens (1966).Werner Enke (gebürtig aus Göttingen), May Spiels und Uschi Glas stellten am 21.8.1968 den Film "Zur Sache, Schätzchen" persönlich vor.

Im Sommer 1986 zog sich Kurt Krause aus Altergründen aus dem Kinogeschäft zurück und übergab seine Kinos inklusive Stern/Sternchen an den Hannoveraner Hans-Joachim Flebbe. Als 1996 die Verlängerung des Mietvertrages mit Hans-Joachim Flebbe anstand, hatte Kurt Krause keine Lust mehr, sein Sterntheater weiter an Hans-Joachim Flebbe zu verpachten, wollte der doch wenige Monate später in der alten Lokhalle sein "CinemaxX" eröffnen. In den Union-Kinobetrieben aus Hamburg fand Krause ab 15.02.1996 einen Nachmieter, der im Stern und Sternchen weiterhin die großen Blockbuster zeigte.

Im Herbst 2003 gelingt der Cinemaxx AG ein Coup: Fast über Nacht übernimmt der Konzern das "Sterntheater" von der UNION wieder und führet das Kino ab 02.10.03 als Filmkunstkino weiter. So wurde verhindert, dass attraktive Blockbuster mit zwei Kopien in Göttingen laufen und dem Cinemaxx wichtige Besucher nehmen. Es zeigte sich bald, dass die individuelle Pflege, die ein Filmkunstkino braucht, innerhalb eines großen Kinokonzerns nicht geleistet werden kann und so gab die Cinemaxx AG das "Sterntheater" zum 1.1.2009 an Torben Scheller ab.

Anfang 2011 wurde das Filmtheater geschlossen.

Einen Artikel über das Kino finden Sie hier

Quelle u.a: www.sterntheater.de



 
 
Sterntheater 50er-Jahre

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Vielen Dank an Torben Scheller für die Bilder

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Datum der Erstellung/letztes Update: 17.07.2020