SCHAUBURG

Hamburg Hamm, Hammer Landstr. 12

eröffnet: 1929
geschlossen: 1943
Sitzplätze: 1600 (1930) - 1520 (1942)
Architekt: August Meyer
Betreiber:
Henschel-Konzern
Schauburg GmbH Romahn & Schumann
1929-1933
1934-1943
                                                    


Das Kino im Stadtteil Hamm war die achte Hamburger "Schauburg", Riesenkinos, die vom Henschel-Konzern innerhalb kürzester Zeit neu erbaut oder übernommen wurden.

Die signifikante Kinofassade erstreckte sich über mehrere Geschosse. Der Saalbaukörper war von der Straße aus sichtbar, wobei auch die Trennung von Foyer und Saal ablesbar war. Der charakteristische Namenszug schmückte in Leuchtbuchstaben die Fassade. Saal und Foyer waren straßenseitig in einem plastisch ausgebildeten Wohnblock aus den 20er Jahren untergebracht. Der Eingang im überhöhten EG lag an der Blockecke, die tragende Ecksäule diente im EG als runder Schaukasten und wurde als Lichtsäule bis über das zweite Obergeschoss hinausgeführt. Der Saal tauchte vier Fensterachsen weiter als viergeschossige Klinkerfassade auf. Ein Gesims in Höhe des dritten OG, eines in Höhe des 1. OG (das den Zusammenhang mit dem Eingang an der Ecke herstellte), einige senkrechte Zierbänder um die vorgezogenen Seitenausgänge gliederten die gewaltige Wand. Kein anderes Kino in Hamburg, das in eine Blockstruktur eingefügt wurde, prägte mit der Außenseite des Saales derart den Straßenraum wie die Schauburg Hamm. Bautechnisch war dieser Bau ein Novum, da er in sehr geschickter Weise in den weitläufigen Wohnblock an der Hammerlandstraße (dem Heinrich-Elisabeth-Bau des Freiherrn v. Ohlendorff) eingegliedert wurde. Einige Stichwörter aus der Beschreibung der Presse : "Kreisrunder Saal, ringförmige Balkone, zur Farbgebung goldgefasste Bühne, helles Rot und Pastellblau im Foyer. Gelber, grüner bis olivgrüner Saal."
Zwei Balkone waren ringförmig um den halben Raum gezogen. Zur projektierten Hochbahnlinie Hamburg-Schiffbeck wurde ein direkter Zugang geschaffen.
Am ersten Weihnachtstag 1929 öffneten sich die Pforten dieses  Hauses für die Allgemeinheit, wahrend am Montag vorher eine fast vierstündige Vorstellung vor geladenen Gästen stattfand. Man zeigte unter dem Titel "Von der Schaubude zur Schauburg" eine Filmplauderei in Wort und Bild. Das Publikum wurde in sicheren witzigen Strichen durch die Geschichte des Films von seinen ersten Anfängen bis zu seinen neuesten Errungenschaften geführt. Man stelle  Aufnahmen aus dem Jahre 1895 vor, darunter "Alarm bei der Berliner Feuerwehr", dann Henny Porten in dem gewaltigen Ausstattungsfilm „Verkannt oder des Bruders Opfer" Untertitel „Der Leidensweg eines keuschen Herzens" (Spieldauer 5 Minuten). Die Programme enthielten die witzige Bemerkung: „Das geehrte Publikum wird gebeten, den Herrn Filmerklärer nicht durch Zwischenrufe zu stören, auch den Klavierspieler nicht zu bewerfen. Der Mann tut sein Bestes!".
Auf der Bühne Kurt Lilien als Kinobesitzer 1895, als Vorkämpfer für den „Ton"-Film. Dazu Geige und Klavier, die von „Großmütterchen“ bis „Hupf, mein Mädel“ jeden Ton genau daneben zu spielen und im Rhythmus sehr wenig Rücksicht aufeinander nehmend. Die Illusion der ersten Kinoerlebnisse war vollkommen.
Hans Harbeck führte sein Publikum aus dieser flimmernden Vergangenheit in den Film von 1929. Das Ganze ein Rückblick, der ungeheuer viel Spaß machte und den eingeschworensten Filmgegner überzeugen könnte, welche Fortschritte das Medium in den ersten zwei Jahrzehnten machen konnte. Das eigentliche Filmprogramm begann dann mit Film "Andreas Hofer".  L29109 K29301

Die Hammer "Schauburg" wurde 1943 zerstört.

Quelle u.a: Filmmuseum Hamburg, dort auch Bilder.


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Datum der Erstellung/letztes Update: 05.02.2021