TON - LICHTSPIELE

Hitzacker (Niedersachsen), Kranplatz 15

eröffnet: 28.11.1936
geschlossen: um 2000
Sitzplätze: 283 (1940) - 241 (1958) - 214 (1991) - 120 (1997)
Architekt:  
Betreiber: Edmund Mattig                                      1940

Familie Dierks                                        mind.1949-

In Hitzacker erinnerte ich mich des noch spielenden Kinos des Ehepaares Diercks. Dort am Kranplatz angekommen, gab es das Gebäude noch, und der Beschriftung nach ist es immer noch Hotel, Kaffe, Speisegaststätte und Lichtspielhaus. Doch etwas anders, als bei unserem letzten Besuch vor 15 Jahren wirkte das schon... Der Eigentümmer ist jetzt ein Immobilienmakler aus dem Ort, und Filmveranstaltungen haben Seltenheitswert. Stattdessen ein völlig renoviertes Haus, mit nettem Restaurant und modernen Hotelzimmern.

Das Ehepaar Diercks war bei unserem Besuch schon nicht mehr jung, sondern in den 70ern, und die wußten uns über die Probleme ihres historischen Kinos in dieser abgelegenen Zonenrandlage zu berichten. Überleben konnte man nur mit der Gastwirtschaftschaft und den Fremdenzimmern, aber das Kino aufgeben käme nicht in Frage.Der Saal hatte eine tonnenförmige Decke, die mit braun gestrichenem Holz vertäfelt war. Die Projektion nutzte einen Fedi XVProjektor und eine kleine Mono - Tonanlage, aber es gab Kino.

Als uns in einem Nebenraum ein alter Askania AP X Projektor gezeigt wurde, der eine Freude für uns Projektorensammelde Jungs war,schließlich ist dieses eine direkte Nitsche Kopie aus 1947, die nur in ganz wenigen Exemplaren gebaut war, konnte uns Herr Diercks die Geschichte über die problematische Beschaffung dieser Maschine aus Berlin, durch die SBZ hindurch erzählen. Letztendlich gab es die Maschinen nicht gegen Geld, denn das hatte nach dem Zusammenbruch keinen Wert mehr, ein ganzes Schwein mußte pro Maschine schon in die Reichshauptstadt gebracht werden... und das bei dem Mangel an allen, besonders Transportmitteln und der Gefahr von Sowjets ertappt zu werden. Letztendlich ging die Sache gut, und die Maschinen taten treue Dienste in den Tonlichtspielen, bis dann in den 70ern eine moderne Langlaufmaschine aus Italien die Filmvorführung übernahm, und sich auf diese Weise das Kino nebenher als Gastronom betreiben ließ.

Vermutlich war es Bedingung des Eigentumsüberganges an den heutigen Betreiber, das Kino nicht einfach sterben zu lassen, weshalb dieses als Andenken im Namen mitgeführt wird. Ob das liebenswerte Ehepaar noch lebt, das weiß ich nicht. Die alten Projektoren haben sie behalten, denn da hing zu viel Erinnerung an die schwierige Nachkriegszeit dran.

 
 

ehemalige Ton-Lichtspiele 2009

Vielen Dank an Stefan Scholz für die Bilder und den Text.

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