| BROADWAY |
Mainz (Rheinland-Pfalz), Neubrunnenstr. 1
| eröffnet: | 1907 |
| geschlossen: | 1996 |
| Sitzplätze: | 300 (1917/1924) - 544 (1942) - 517 (1953) - 519 (1958) - 173 (1991) |
| Architekt: | Philip Preis (Umbau 1941) |
| Betreiber: |
1907
Kinoname: Edison-Theater Josef Schmitz mind.1917-mind.1920 Kinoname ab 1909: Union Fritz Enders mind.1921-mind.1924 Willy Schneider, Frankfurt 1926 neuer Kinoname: Hansa J. Kreisberg, Frankfurt 1927 J. Kreisberg & W. Schneider 1928 Jakob & Leni Kreisberg 1929-mind.1934 Emma Minke 1936-1937 Hans Mühlberg 1937-1968 Kinoname ab 1941: Regina W6117 FTB Georg Reiss 1969-1996 neuer Kinoname ab ca. 1980: Broadway |
Das schon 1907 eröffnete Kino spielte unter wechselnden Namen bis zum 2. Weltkrieg, in dem es wie das gesamte Umfeld stark beschädigt wurde. Zuvor war es 1941 nochmals umgebaut und unter dem neuen Namen "Regina" wiedereröffnet worden. Die Arbeiten dauerten fast ein ganzes Jahr. Man wollte die Sitzplatzkapazität unbedingt steigern, jedoch boten weder Breite noch Tiefe des Grundstücks große Ausdehnmöglichkeiten. So nahm der Architekt zunächst die Decke des ersten Stockwerks als neue Saaldecke in Angriff, erstellte die oberen Teile des Bühnenportals und die Gestaltung des Rangs. So konnte im alten Theater der Betrieb noch Weiterlaufen. Erst einige Monate später wurde das "Hansa" für das Publikum geschlossen und der trennende Boden herausgenommen. Der untere Teil erhielt durch eine geschickt angelegte Verbreiterung sowie durch die Anfügung neuer Nebenräume ein neues Gesicht. Das neue "Regina" fasste jetzt fasst 544 Plätze. Die Eingangshalle war ganz in Marmor gehalten, die gläserne Kasse wirkte luftig und geräumig.Der Saal war in Elfenbein-Goldton gehalten. Die Wände waren mit Glasgespinst verkleidet, das im Sockel von hellem Sperrholz eingefasst war. Das in klassischen Stil gehaltene Bühnenportal, dessen Entwurf Richard Herwegh (der für die innere Ausstattung zuständig war) besorgte, lenkte den Blick auf den neuzeitlichen Bühnenvorhang, der der Farbgestaltung des gesamten Raums (Gold) angepasst war. Die Beleuchtung mit 3000 Glühbirnen in vier Farben wurde von einem besonderen Bühnenstellwerk aus betrieben.. Die Erhellung des Raumes erfolgte jedoch durch indirektes Licht, das in die großen Wandpylaster eingelassen wurde, während das . Bühnenportal selbst ebenfalls in vielfarbigem Licht erstrahlte. Für Schwerhörige gab es Kopfhörervorrichtungen, die an zehn Zapfstellen angeschlossen werden können. Zweckmäßig und praktisch war auch die Glühlampen-Rufanlage (an der Bühne), durch die Gäste des Hauses von einem Telefonanruf verständigt werden konnten. Für die Ernt- und Belüftung sorgte kombinierte Heizungs- und Lüftungsanlage. Auch ein Besprechungsmikrofon .und eine Rundfunkübertragungsanlage wurden angelegt. Die Bestuhlung war im ganzen Theater einheitlich: Hochpolstersessel wurden für alle Platzarten vorgesehen. Zu dem Rang, der nur wenig über die letzten Parkettsitze hinausragte, führt eine große und breite Marmortreppe. Beim Hinaufschreiten bewunderte man die bleiverglasten Fenster, die ein bekannter Mainzer Meister gestaltete. Im Vorraum zum Rang wurden Ausstellvitrinen untergebracht. Die Rang-Bestuhlungsanlnge (wie im Parkett) verlief luftig und breit, so das die Besucher bequem zu und von ihren Sitzen gehen konnten. FK41187
Doch schon sehr früh - im 2. Halbjahr 1946 - konnte man weiterspielen.
Das Theater -
ein ebenmäßiger Raum in den Farben Blau. Gold und Weiß gehalten - punktete mit
moderner Belüftungsanlage, effektvoller Beleuchtung und neuer Bestuhlung.
Erbauer, Inhaber und Leiter war weiterhin Hans Mühlberg, der schon das
Vorkriegskino seit 1937 leitete. Zur Wiederaufführung wurde das schon bekannte
Lustspiel "Und die Musik spielt dazu" von 1943 gezeigt. Neue deutsche Filme
waren zu diesem Zeitpunkt noch Mangelware... W4631
Ende 1966
erfolgte innerhalb von vier Wochen ein größerer Umbau. Der Saal wurde incl.
Decke und Fußboden entkernt. Im Rang wurden neue Stufen eingebaut, um die
Sitzreihen auf 1 Meter Abstand zu bringen. Dabei wurde die Kapazität des Saals
um etwa 100 Plätze reduziert. Ein Teil der Sitzreihen wurde für einen neuen
Vorführraum geopfert. Dieser befand sich jetzt oberhalb des Ranges. Ausgestattet
war er mit Phillips FP 56- Maschinen. Die Bestuhlung bestand jetzt vollständig
aus Hochpolstersesseln. Die gelbe Wandbespannung wurde von einem violetten
Vorhang abgeschlossen. Die Decke war nachtblau bespannt. Gelb dominierte auch
in den Zugängen. Das durch den verlegten Vorführraum verbesserte Bild wurde auf
eine gekrümmte Harkneß-Wand projiziert. E66103
Das "Regina" wurde Anfang der 1980er-Lahre erneut umgebaut und fortan unter dem Namen "Broadway" als Filmkunstkino weitergeführt.
Vor einigen Jahren wurde das Gebäude - nachdem es jahrelang verbarrikadiert war - völlig entkernt und zu einer Bar umfunktioniert.
Broadway 1989 - Vielen Dank an Rudolf Schreck für das Bild. |
Saal nach Renovierung 1966 (Foto: Karin Eckert, © Karin-Ecker & Paula-Ludwig-Stiftung) |