ROXY

Neustadt / Weinstr. (Rheinland-Pfalz), Konrad-Adenauer-Str. 23

eröffnet: 28.1.1956
geschlossen: in Betrieb
Sitzplätze: 800 (1960) - 500/200/110 (1980) - 215/172/132/78 (1997)
Architekt: Hans Arnold, Pirmasens & Günther Stupp, Neustadt
Betreiber: Link & Ohr, Pirmasens                       1956-Anfang 60er

Simon & Schulte, später Peter Simon  Anfang 60er-Mitte 90er

Michael Kaltenegger                           seit Mitte 90er

Nach zähen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung erfolgte 1955 der erste Spatenstich für den Neubau eines Filmtheaters in der Konrad-Adenauer-Str. Die Firma Link& Ohr hatte ihren Hauptsitz in Pirmasens und war schon zu Wanderkino-Zeiten im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in der Branche aktiv.

Betrat man das untere Foyer, so fiel einem vor allem die Säule im Treppenschacht auf, die mit italienischem Glasmosaik bekleidet war und um die sich ein dreifarbiges Neonband wand. Zusammen mit den in grünem Marmor gehaltenen Treppenstufen, dem Bodenbelag in deutschem Juramarmor und dem elariertem schmiedeeisernen Geländer bot sich ein Bild von seltener Schönheit. Auf dem Treppenabsatz fiel die mehrfarbige Glaswand auf. Eine Fülle von Licht wurde von der Neonröhre, den Wand- und eingelassenen Deckenleuchten sowie durch eine vielarmige Pendelleuchte gespendet. Das obere Vestibül mit den Eingängen zum Balkon wies in der einen Ecke einen Springbrunnen auf, der in mehreren Farben beleuchtet wurde und verschiedene Springhöhen aufwies. Auch hier war die innenarchitektonische Gestaltung durch Tische, Stühle und die Beleuchtung vollendet. Harmonisch fügte sich in das Ganze die Erfrischungsnische, die Garderobe und die Toilette für die Rangbesucher sowie an der Wand zum Saal die in Glas geätzte Theatermaske ein, die symbolhaft den guten Geist verkörpern sollte. In dezenten Farben war der große Kinosaal mit seinen 810 Sitzen gehalten. Die Decke hatte man mit Acella-Kunststoff vekleidet und mit Messingtellern verziert, die Wände waren mit Stoff und die Sockel mit Kunstleder bespannt, das durch Zierknöpfe abgesteckt war. Fast 2 Meter hohe Wandleuchten in Blütenform aus handgetriebenen Messing und eine in Nierenform gehaltene indirekte Beleuchtung unterm Rang sorgten für entsprechende Helle. Der Fußboden war in grauem und blauem Steinholz gehalten und in parabolischer Schwingung so angelegt, daß der vordere Teil etwas anstieg und dem Besucher der ersten Reihen zum Bild hob...

Soweit die etwas euphorische Beschreibung des Filmtheaters in der Eröffnungsanzeige. Eröffnungsfilm war "Der Cornett".

Nach der Übernahme durch die lokal dominierende Firma Simon&Schulte Anfang der 60er-Jahre wurde das Großkino recht früh (Anfang 70er?) in ein 3-Säle-Haus verwandelt. Hiebei wurde der Balkon zum "City" (heutiges "Roxy") abgetrennt und das großzügige obere Foyer dem "Bambi" (heutiges "City") geopfert.

Anfang der 90er gab man schließlich den großen Saal auf. Dort residiert seitdem eine Spielhalle. Dies ist um so trauriger, da einige Jahre später mit dem "Metropol" auch das letzte Neustadter Großkino geschlossen und abgerissen wurde.

Der neue Betreiber Michael Kaltenegger hatte von Anfang an etwas beengte Verhältnisse, denen er mit vielen Aktionen und anspruchsvollen Filmreihen begegnete. Das "Roxy" hat mittlerweile 4 Abspielstätten - ein kleines "Studio" entstand in der ehemaligen Kassenhalle und im hinteren Teil des ehemaligen "Roxys", der zwischenzeitlich als Bistro diente, entstand ein Saal mit Gefälle (hier durchbrach man den Boden zum Keller), das "Movie". Bei Events muß man jetzt in Ermangelung eines nennenswerten Foyers bei Pausen entweder im Saal verbleiben oder auf die Straße gehen...

 
 
   großer Saal 1980 (Bildquelle: Filmecho/Filmwoche)
                                                   Roxy 1956

                                                 (Quelle: Stadtarchiv Neustadt)

  

     Roxy 1956

     (Quelle: Stadtarchiv Neustadt)

                                                              

                                                                Roxy 1956

                                                 (Quelle: Stadtarchiv Neustadt)

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