APOLLO - THEATER

Norden (Niedersachsen) , Osterstr. 136a

eröffnet: 18. Dezember 1958
geschlossen: als einziges Norder Kino in Betrieb
Sitzplätze: früher 516 in einem Saal / mehrere Umbauten / 108 im kleinen Saal / aktuell 222 + 97
Architekt:  
Betreiber: Ella Zicke                                                 1958-1979

Klaus Zicke                                              1979-1984

Friedo Buschmann                                    1984-ca.1990

Vereinigte Filmtheater-Betriebs-GmbH      ca.1990-1994

Groteheide Ostfriesische Filmtheater GmbH 1994-1999

Ostfriesische Filmtheater GmbH                 seit 1999

Am 18. Dezember 1958 eröffnete das zuletzt erbaute Kino in Norden. Ella Zicke hatte an der Osterstraße 136a einen Kinoneubau mit ca. 150 qm großer Bühne und Orchestergraben für Theateraufführungen erbauen lassen. Das heute noch existierende „Apollo-Theater“ verfügte damals über 516 Plätze und eine CinemaScope-Leinwand, die Bühne wurde unter anderem von der Landesbühne für ihre Theateraufführungen genutzt. Die Filmpremieren fanden ab sofort hier statt.

In diesen 60er Jahren führte Elfriede Zicke das „Apollo-Theater“ mit 516 Plätzen weiter. Wöchentlich fanden hier 12 bis 16 Vorstellungen statt. Das Programm war auf die breiten Zuschauerschichten ausgerichtet; das Filmtheateradressbuch von 1966 bezeichnet das Kino als „Familientheater“.

Die Bühne des „Apollo“ wurde inzwischen nicht mehr für Theaterzwecke genutzt, da mit dem Bau der Kreis-Realschule ein Saal mit Bühne entstanden war, der sich aufgrund seiner Größe und Ausstattung besser für die Aufführungen eignete. Nun reduzierte Elfriede Zicke die Plätze von 516 auf 300. Am 21. Dezember 1971 genehmigte die Stadt Norden die Einrichtung des Kinos „Lupe“ mit 108 Plätzen in dem ehemaligen Bühnenhaus. Dazu wurde unter anderem der vorhandene Bühnenfußboden mit Gefälle verlegt und die Decke abgehängte.1974 erteilte die Bauaufsicht dem Kino-Center die angestrebte Rauchererlaubnis.

Etwa fünf Jahre später übernahm ihr Sohn Klaus das Center, der auch die Emder „Gondel-Filmkunst“, das Auricher „City-Kino“ und ab 1983 auch das neue Auricher „Kino-Center“ betrieb. Etwa in der zweiten Jahreshälfte 1984 wurde das Konkursverfahren über den Filmtheaterbetrieb Klaus Zicke eröffnet; der Leeraner Kinobetreiber Friedo Buschmann kaufte das Norder Kino. Das hier gezeigte Programm war auf breite Zuschauermassen ausgerichtet, nach der Übernahme wurden in dem kleinen Saal, der nun „Apollo 2“ hieß, keine Sexfilme mehr gespielt. Irgendwann in den 70er- oder 80er-Jahren wurden in dem großen Saal („Apollo 1“) einige Sitzreihen durch Zweisitzersofas ausgetauscht, wodurch sich sie die Platzzahl auf 255 reduziert. Das „Apollo 2“ hatte nach einer Renovierung nur noch 97 Sitze, wodurch sich die Gesamtplatzzahl von ursprünglich 516 auf 352 reduzierte.

Die Betreiberwechsel des „Apollo“ in Norden entsprachen denen des Apollo-Kino-Centers in Emden: Etwa 1990 verpachtete Friedo Buschmann das Kino an die „Vereinigte Filmtheater-Betriebs-GmbH“ aus Hannover, ab 1994 wurde aus Kino von der „Groteheide Ostfriesische Filmtheater GmbH“ geleitet.

Seit dem 1. Januar 1999 betreibt die „Ostfriesische Filmtheater GmbH“ aus Papenburg auch dieses Haus. Der große Kinosaal befand sich bis Anfang 2004 in einem schlechten Zustand: An den Wänden hing noch die Acella-Wandbespannung der späten 50er-Jahre, ein Großteil der Sitze stammte ebenfalls aus dieser Zeit.

Mitte April 2004 wurde das Kino vorübergehend geschlossen und für etwa 350.000 € (lokale Presse) renoviert: Die Fassade, das Foyer sowie der Kassenbereich wurden neu gestaltet, der Saal wurde komplett umgebaut. Um die Sicht von den hinteren Reihen zu verbessern, wurde der Boden der hinteren Saalhälfte erhöht. Durch den Einbau gemütlicher Polstersitze und vergrößerter Reihenabstände reduzierte sich die Platzzahl erneut auf 222 Sitze. Zudem wurden Vorhang, Leinwand, Teppichboden, Decke und Wandbespannung erneuert. Beide Säle erhielten neue Projektoren, der große wurde zusätzlich mit einer „Dolby-Digital-Tonanlage“ ausgerüstet.

Von der Ausstattung entspricht der Saal nun dem „Multiplex-Standart“, von der Atmosphäre befindet er sich meiner Meinung nach sogar weit darüber. Mit der Wiedereröffnung wurde das Rauchen hier untersagt. Das Kino wird vor allem von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen besucht; bei anspruchsvollen Filmen und Veranstaltungen des Filmclubs sind hier auch vermehrt ältere Personen und Rentner anzutreffen. Das aktuelle Programm entspricht dem Mainstream anderer Kinos, die vom Filmclub gezeigten Filme ähneln dem Angebot der Programmkinos in den Großstädten, auch wenn die Filme mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in den kleineren Städten gezeigt werden.

Die Renovierung, der verregnete Sommer und die neue Tendenz der Verleiher, auch im Sommer gute Filme zu starten, führten zu einem rapiden Besucheranstieg. Seit der Schließung des Oldenburger „Wall-Kinos“ im April 2007 hat es meiner Meinung nach den attraktivsten Kinosaal in der Region Oldenburg / Ostfriesland.

   Vor der Renovierung (Aufnahme im Sommer 2003)
                              Nach der Renovierung im April 2004
Hinten links ist das ehemalige Bühnenhaus (Kino 2) erkennbar

www.kino-norden.de

Quellennachweis:

Die Informationen zu den Kinos stammen aus meiner Diplomarbeit "Die Kinoentwicklung in der Region Oldenburg / Ostfriesland zwischen 1945 und 2004". Hier finden Sie auch die genauen Angaben zu den von mir verwendeten Quellen. (Auf genauere Fußnoten verzichte ich hier aus organisatorischen & zeitlichen Gründen.) Als Forschungsgrundlage dienten alte Filmtheater-Adressbücher und Interviews mit den (ehemaligen) Betreiberinnen und Betreibern.

An dieser Stelle möchte ich bei Herrn Johann Haddinga, Heimatforscher und ehemaliger Chefredakteur des „Ostfriesischen Kurier“, für die gute Zusammenarbeit bedanken. Er beschrieb in 4 Ausgaben dieser Zeitung die Entwicklung der Norder Kinos von 1912 bis 2004. (05.06.2004, 19.06.2004, 26.06.2004 und 03.07.2004)

Vielen Dank an Stephan Bents für die Gestaltung dieser Seite

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