PHÖBUS - PALAST

Nürnberg (Bayern), Königstorgraben 11

eröffnet: 07.10.1927 - Dezember 1948 (Wiedereröffnung Kleines Haus) - 22.12.1952 (Wiedereröffnung Großes Haus)  L27238
geschlossen: 1972
Sitzplätze: 2046 (1928) - 2043 (1942) - 409 (1950) - 1000/402 (1953) - 980/393/310 (1958) -
Architekt: Ludwig Ruff ( Neubau 1927) - Maximilian Reissinger, Ludwig Amann (Wiederaufbau 1948/1952)
Betreiber: Kurt Baumgärtner                                            1927-1930        Kinoname: Phöbus-Palast
Emelka, München (Dir: Baumgärtner)               1931
Süddeutsche Theater-Betriebsgesellschaft (Ufa)1932-ca.1936   neuer Kinoname ab 1933: Ufa-Palast 
Ufa                                                                   ca.1936-ca.1944
Max Zimmermann                                             1949-1951       neuer Kinoname: Phöbus-Palast
Karl Hierl & Max Zimmermann                         1952-ca.1958
Karl Hierl                                                          ca.1958-mind.1967

Der "Phoebus-Palast" wurde im Oktober 1927 eröffnet. Der vorbildliche Theater-Neubau wurde von Archtekt Ludwig Ruff nach Entwürfen und unter Leitung des Direktors Oliver gestaltet. 
Bei der Premierenvorstellung kam schon die eingebaute Wurlitzer-Orgel zum Einsatz. Eröffnungsfilm war der Sternberg-Film "Die Hose", nachdem der Phoebus-Film "Die Meister von Nürnberg" keine Aufführungsgenehmigung bekommen hatte, was zu kontroversen Diskussionen führte. "Die Hose", eine blutige Satire auf deutsches Spießertum, war als Revanche gedacht, um den Kritikern der "Meistersinger" den Spiegel vorzuhalten. L27244 K271078

Im Februar 1945 wurde das Kino durch Kriegseinwirkung zerstört.

Der Ausbau des ehemaligen Parkett-Foyers zum "Kleinen Haus", einem Saal mit 425 Plätzen, das die Tradition des Vorkriegspalastes durch besondere Spielplangestaltung fortsetzte, erfolgte im Dezember 1948.

1952 wurde dann der große Saal wieder aufgebaut. Die Grundgestaltung entstammte einer Idee des Vorstandsmitgliedes der "Grundwert AG", Hamburg, Direktor Maximilian Reisinger, der in gemeinsamer Zusammenarbeit mit Nürnbergs bewährtem Filmtheaterarchitekten Ludwig Amann die Pläne für den Neubau entwarf.
Durch einen neonbeleuchteten Arkadengang gelangte der Besucher durch den repräsentativen, neugestalteten Theatereingang mit einem weiten Vordach in die marmorverkleidete Kassenhalle. Ein elegant ausgestattetes Foyer mit dekorativer, freitragender Marmortreppe zum Balkon und den Balkonlogen schloss sich an. In beiden Etagen befanden sich geräumige Garderoben.
Die 10 x 8 m grüße Bühne, ausgestattet mit allen erdenklichen Beleuchtungseffekten, wurde von einem dunkelgrünen Hauptvorhang zum Theatersaal hin abgeschlossen. Mittelpunkt des Zuschauerraums war ein Dekorationsschiff mit vielfältigen Lichteffekten innerhalb einer indirekt beleuchteten Lichtkuppel. Die über 1000 amphitheatrisch ansteigenden Sitze gewährten gute Sicht zur Leinwand. Eine besondere Attraktion stellte die neuartige Polychord-Konzert-Orgel von den Apparatewerken Dachau dar.
Von besonderem Interesse für die Fachwelt war die technische und elektrotechnische Einrichtung. Im Vorführraum standen zwei Zeiss-Ikon-Bildton-Projektoren Ernemann X mit Tonfilmverstärker und Lautsprecherarmaturen Uniphon X. Auch für plastischen Film und Fernsehübertragungen wurden Voraussetzungen geschaffen.  Ein 200 KVA-Transformator diente der Speisung des "Großen Hauses" über eine Hauptverteilertafel im Schaltraum. Von dieser wurden fünf weitere Schalttafeln versorgt. Im Hauptschaltraum waren die vier Verdunklergeräte mit je rund 15 KW Leistung montiert, die vom Vorführraum mittels Druckknöpfen gesteuert wurden. Insgesamt wurden ca. 20 km Leitungsdraht verlegt und rund 1700 Glühbirnen eingebaut. 300 Sicherungen auf den einzelnen Schalttafeln gewährten die Sicherheit der gesamten Anlage.
Ludwig van Beethovens Ouvertüre "Weihe des Hauses" gab den Auftakt zur festlichen Eröffnungsvorstellung mit viel Prominenz wie dem Regierungspräsidenten für Mittelfranken, Hans Schregie, dem Nürnberger Oberbürgermeister Bärenreuther und Polizeipräsident Leo Stahl. Die neue Orgel leitete mit festlichen Klängen über zum Eröffnungsfilm "Im weißen Rößl".  W5301 E5303

Ende 1953 wurde das "Kleine Haus" völlig renoviert und zu einem Schmuckkästchen umgestaltet. Zur Neueröffnung lief “Don Camillo's Rückkehr  N5372

Der dritte Saal wurde 1954 eingebaut und im September des Jahres eröffnet. Das "Non-Stop-Theater im Phoebus" entstand im Raum des früheren Phoebus-Theater-Cafés über dem jetzigen Kleinen Haus nach den Plänen von Chefarchitekt Dr. Maximilian Reissinger. Das neue Haus wollte kein Aktualitätenkino-Programm spielen, sondern mit Betonung auserlesene Kulturfilme zeigen. Jedes Programm enthielt drei Kulturfilme, einen Zeichentrickfilm und eine Wochenschau..  Der rechteckig angelegte Theaterraum im ersten Stock fasste 320 Plätze. Mit seinem ansteigenden Parkett, seinen mit Elastik überzogenen Sitzen und den beiden breiten Stiegen, die direkt von der Straße ins Foyer führten, zählet das neue Theater zu den bestausgestatteten Non-Stop-Theater im Bundesgebiet. Im Bildwerferraum stehen Ernemann X-Projektoren So ergab sich dann in Nürnberg die damalige Seltenheit, das sich drei Filmtheater unter einem Dach befanden. 
N5440+92

1955 wurde das "Kleine Haus" erneut modernisiert. Es erhielt. hochgepolsterte Bestuhlung mit Acella-Bezügen in Beige-Gold-Prägung , moderne Beleuchtungskörper in den Logen (Fa. Schratzenstaller, München), zusätzliche Lichtvouten an der Saaldecke sowie ein neues Bühnenportal. N5503

Zur Jahreswende 1955/1956 wurde das "Non-Stop-Theater" in ein Studio- Filmtheater verwandelt, das - auf CinemaScope umgestellt - sich ausschließlich der Pflege des international anerkannten künstlerischen Films widmen wollte. Unter der Leitung der Direktoren Hierl und Zimmermann wurde das Studio mit dem Film „Der verlorene Kontinent" eröffnet. Das "Kleine Haus" erhielt neue Philips-Maschinen. 
N5604+10

Im Rahmen einer der Phoebus-Palast-Tradition entsprechenden festlichen Stunde wurde das völlig erneuerte, innenarchitektonisch verschönte und technisch verbesserte „Studio" 1958 vor geladenen Gästen und der Presse eröffnet. Direktor Hierl gab einen knappen Rückblick auf die bisherige Geschichte des dritten Theaters innerhalb der Phoebus-Palast-Betriebe, das, ursprünglich als Wochenschautheater betrieben, seit zwei Jahren als Studio beachtliche Resonanz bei einem anspruchsvollen Publikum gefunden hat Seine in der avantgardistischen und auf einer allgemein künstlerisch gehobenen Linie liegenden Filme entsprechen den deutlich verfolgbaren steigenden Ansprüchen des Publikums.  In der Innenausstattung fiel eine neue Velvet-Bespannung der Wände auf, womit durch Dämpfung des Tones, zusammen mit einer neuen Lautsprecher-Anlage (Tonveredlung und Anheben der Höhen war ihre besondere Aufgabe), eine unverkennbare akustische Verbesserung erreicht wurde. Mit einem neuen Bühnenvorhang und einer sehr dezent-indirekten Beleuchtung gehörte das Phoebus-Studio nunmehr zur Extraklasse. Davon konnte sich das Publikum bei der Vorführung des Filmes "Bolschoi Ballett" überzeugen. N5869

Die kaum enden wollenden Erneuerungen und Verbesserungen in den 1950er-Jahren lassen die Rentabilität und Umsatzstärke der zentralen städtischen Großtheater in dieser Zeit erahnen.


Einen Artikel über das Lichtspieltheater finden Sie hier. Dabei ist zu beachten, daß das Wiedereröffnungsdatum 1952 nur für das große Haus gilt - das kleine Haus spielte seit 1948 - das "Studio" kam als "Non-Stop-Filmtheater im Phöbus-Palast" Ende 1955 hinzu

Phöbus-Palast 1950

Saal 1949 (Bildquelle: Der Neue Film 5/49)

Ansicht 1949 (Bildquelle: Filmwoche 5/1949)



Großer Saal nach Wiedereröffnung 1952 (Bildquelle: Filmecho 3/53)

Treppenhaus 1953  (Bildquelle: Filmblätter 24/53)

Treppe  (Bildquelle: Filmblätter 25/55)

Saal 1927 (Bildquelle: Der Kinematograph 1078/1027)

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Datum der Erstellung/letztes Update: 28.02.2021