ASTORIA

Roßwein (Sachsen), Unter den Linden 1

eröffnet: 15.11.1928
geschlossen: 1991
Sitzplätze: 518 (1930) - 493 (1940/1950) - 409 (1962/1991)
Architekt: Werner Retzlaff (Neubau 1928) - Arthur Wenzel (Umbau 1958-1961)
Betreiber:
Arthur Tendis
Kreisfilmstelle Döbeln
1928-1945
-1991
                                                      


Artur Tendis errichtete 1928 nach dreimonatiger Bauzeit das neue "Astoria"-Kino, das mit einem Festakt feierlich eingeweiht wurde. Bürgermeister Dr. Wild, die Stadträte und viele Ehrengäste waren anwesend. Zeitgenössischen Beschreibungen zufolge war der Saal in warmen Rottönen mit Gold- und Silberornamenten sowie plastischem Schmuck gehalten, zu denen der blaue Vorhang kontrastierte. Besonders hervorgehoben wurde die indirekte Beleuchtung des Saals, deren Leuchtkörper hinter den Stuckprofilen am Übergang der leicht gewölbten Decke zu den Längswänden untergebracht waren. Auf das Filmtheater machten damals sowohl ein großer Leuchtschriftzug auf dem Dach als auch Werbestelen an der Brücke aufmerksam. Über eine Freitreppe gelangte man durch den Eingang in das große Foyer. Von hier betrat man den Zuschauerraum, der 320 Besuchern Platz bot. Auf dem Balkon (Rang) befanden sich weitere 175 Sitzplätze. Für Konzerte wurde eine versenkbare Bühne für 15 Musiker gebaut. Durch die erleuchteten Stufen fand man auch im Finstern bequem seinen Platz.

Dem Theaterbesitzer Arthur Tendis wurde seine aktive Unterstützung der Nationalsozialisten zum Verhängnis. Das Kino wurde nach dem 2. Weltkrieg von den sowjetischen Besatzern beschlagnahmt. Die Frau des Besitzers, Margarete Tendis, versuchte erfolglos das Kino zurückzubekommen.

 Eine wesentliche Baumaßnahme stellte der Umbau des Kinos auf Totalvision und Vierkanal-Magnettontechnik von 1958 bis 1961 bei regulärem Spielbetrieb dar. In diesem Zusammenhang wurde zunächst der Bildwerferraum erheblich vergrößert und griff nun in den Rangbereich ein. Ebenso wurde die Bühne den neuen Verhältnissen angepasst. Die Bildbreite betrug bei der Vorführung von CinemaScope-Filmen ca. 10 m, die Bildhöhe 4 m und die Projektionsentfernung 21 m. Im Zuschauerraum gab es 12 Effektlautsprecher. Zwei getrennt ferngesteuerte Saalverdunkler sorgten für eine langsame Veränderung der Saalbeleuchtung.Das Kino hatte nun 409 Zuschauerplätze, davon 112 auf dem Balkon.Nach diesen Maßnahmen galt das "Astoria" für eine gewisse Zeit als das modernste Kino im Kreis. In der Folgezeit wurden kleinere Renovierungen in Kassenhalle, Foyer, Rangfoyer und Teilen des Saales durchgeführt.
Ab 1966 sanken die Besucherzahlen. Der Theaterleiter war mehr Parteifunktionär der SED als Kinofachmann. Politisch angehauchte Filme, welche die Interesssen des Staates und der Sowjetunion vertraten, kamen bei der Bevölkerung nicht gut an. Eintrittskarten wurden über die FDJ-Leitungen und die Betriebe kostenlos vergeben, um die Bürger politisch zu schulen.
1980 wurde der Saal und das Foyer nochmals renoviert. 1990 kamen jedoch nur noch 10.800 Besucher. Dies waren im Vergleich zu 1955 mit 197.222 Besuchern viel zu geringe Einnahmen, um den Spielbetrieb in der freien Marktwirtschaft aufrecht zu erhalten. So schloss das Haus 1991, als die Kreisfilmstelle aufgelöst wurde und sich kein privater Investor fand. und stand danach ohne Nutzung leer. Letzter gespielter Film war die Wendekomödie "Go, Trabbi; Go". Ausschlaggebend für den Abbruch 2003 waren vor allem die Schäden durch das Hochwasser vom August 2002 sowie das Fehlen einer Perspektive für das Haus.

Quellen: Roßwein in alten Ansichten ( Günther & Roswitha Hanisch, Herausgeber)
 
Lichtspieltheater in Sachsen - Entwicklung, Dokumentation und Bestandsaufnahme (Carola Zeh, Hamburg 2007 - SBN 978-3-830-3166-6
Aus der Geschichte des Kintopps in Roßwein (Sachsen Kurier vom 20.07.1990

Stadtarchiv Roßwein
 
...und nächstes Jahr - wie jedes Jahr  (Jens Michalski) J. Michalski 2003



Ansicht von 1940 (Bildquelle: Postkarte)

Weitere Fotos finden Sie  hier

zurück zur Liste Sachsen

zurück zur Startseite

Impressum und Datenschutzerklärung

Datum der Erstellung/letztes Update: 17.03.2020