CENTRAL

Uelzen (Niedersachsen), Bahnhofstr. 7

eröffnet: 1908
geschlossen: in Betrieb
Sitzplätze: 300 (1918) - 500 (1924) - 700 (1930) - 715 (1940) - 550 (1958) - 500 (1983) - 340/130/83/182/61 (1997)
Architekt: Joachim Gluer & Hans Schneider (Umbau 1958)
Betreiber*in: Familie Heuer                          1908-1924                 Kinoname: Zentral
Georg & Elisabeth Schneider   1925-mind.1967         neuer Kinoname nach Krieg: Central
Marga Budde                          mind.1971-1977
Familie Böhm                          seit 1978

Als Heinrich Heuer führte 1908 im Uelzener Bahnhofshotel erstmals "Lebende Bilder" vor. Schon fünf Jahre später musste das kleine Theaterchen erweitert werden. Als der Hotel-Betrieb eingestellt wurde, war der Weg frei zum Bau eines repräsentativen, erweiterten Filmtheaters mit 800 Plätzen. Durch die Eingangshalle mit ihrem römischen Travatin-Steinfußboden, dem Lamilus-Glasdach, das entstehende Zugluft ableitete, passierte der Besucher große. von Ahorn- und Teakholz umrahme Glastüren und gelangte in das geräumige Foyer. Der Zuschauerraum mit seinen 800 dunkelbraunen Hochpolstersesseln wurde von der Decke her  durch vier gewaltige Kronleuchter und dezente, goldene Wandleuchten erhellte. Durch die dunkelbraune, moderne Wandbespannung wurde das Kino, das dem Theaterring von Herbert Steppan aus Hamburg angeschlossen war (bis mindestens 1977), in eine wohltuende Atmosphäre  gehüllt. Technisch war das neue Haus mit Bauer B 8-Maschinen, einer Klangfilm-Ausrüstung für Vierkanal-Magnetton und einer Harkness-Leinwand versehen. N5855 E5870

Frau Böhm - eigentlich aus dem Hotelfach - entstammte wohl den Ostgebieten und wurde nach der Flucht mit ihrem Mann nach Westdeutschland verschlagen, wo sie sich das Park-Theater aufbauten. Nachdem ihr Mann früh verstarb, hat sie den Betrieb alleine weitergeführt, und musste gleichzeitig die kleinen Kinder betreuen. Ihr Park Theater betrieb sie liebevoll mit großem Erfolg. Letztendlich musste die Stadt unbedingt einen neuen Parkplatz in der Nähe der Verwaltung haben, und dafür war das Kinogrundstück wohl sehr geeignet. In einer sehr unfairen Aktion des "Christlichen" Stadtparlaments musste sie das Haus abgeben. Es wurde Mitte der 1990er abgerissen. Eine neue Bleibe fand sich in dem wenig attraktiven, weil herabgewirtschafteten "Central" an der Bahnhofstraße, welches man zuvor übernehmen konnte. Mit der bewährten Einsatzfreude und Liebe zum Detail gelang es auch hier, ein wahres Schmuckstück zu erzielen. Zwar ist auch hier ein Multikomplex entstanden, bei dem jeder Saal eine individuelle Sprache spricht, und dessen liebevolle Betreuung einem die Freude an Kino richtig aufkommen lässt. Besonderheit ist ein in Anlehnung an den vom Künstler Friedrich Hundertwasser gestalteten Bahnhof Uelzen der Bundesbahn entstandener Hundertwasser Kinosaal, bei dem keine Fläche parallel zu einer anderen steht. Echt klasse, und mit wertigen Materialien gebaut. Hier kann man nur weiterhin viel Erfolg wünschen.

Die Tochter von Frau Böhm betreibt in Salzwedel (DDR) den neuerbauten Filmpalast, der ebenfalls sehr gut gelungen ist.




Bilder vom Sommer 2007

Vielen Dank an Stefan Scholz für die Bilder und Informationen.

Bilder von 1987 finden Sie hier und hier.

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Datum der Erstellung/letztes Update: 11.01.2025 - © allekinos.com