WELTSPIEGEL

Wien (16.Bezirk), Lerchenfelder Gürtel 55

eröffnet: 1919
geschlossen: in Betrieb
Sitzplätze: 900 (1919) - 1000 (1950) - 96 (2010)
Architekt:  
Betreiber: Alfred Grögl                                            1919-1927

Landesverbandes der Kriegsinvaliden       1927-1934

Kiba                                                        1934-1944

Apollo-Kino und Theater GmbH              1950-mind.1958

Commerzfilm                                            1997

1919 vom Ottakringer Kinopionier Alfred Grögl (daneben Leiter des Neulerchenfelder Kino-Theaters) in der ehemaligen Singspielhalle Georg Neufellner eröffnet, wurde es bereits in den ersten Jahren seines Bestehens zu einem der bekanntesten der Gegend. 1927 musste Grögl die Konzession abgeben, die sich von da an in den Händen des Landesverbandes der Kriegsinvaliden befand. 1934 übernahm die Kiba das Kino. Während des Nationalsozialismus zählte das Weltspiegel-Kino neben dem Park-Theater, dem Ostmark Kino, Schottenring Kino, Sascha Palast sowie Stafa und Schloss Kino zu den acht größten der Stadt. Im September 1944 wurde das Großkino völlig zerstört.

Beim Wiederaufbau in den Jahren 1949/1950 entdeckte man u.a. einen bisher nicht bekannten dreigeschossigen Weinkeller. Im November 1950 wurde das neue Kino durch die Apollo-Kino und Theater GmbH mit einer Projektionsfläche von 30qm wiedereröffnet. Mit über 1000 Plätzen, Balkon und neu gestaltetem Buffet- und Aufenthaltsräumen zählte es zu den gediegensten Kinoprojekten der ersten Nachkriegsjahre. Dank der Verwendung der neuen 70mm-Format-Projektionsmaschinen konnte das Kino gegenüber der großen Konkurrenz von Apollo, Tabor oder Gartenbau Kino - den damals bekanntesten CinemaScope-Kinos der Stadt - erfolgreich Stand halten.

Über die bauliche Neugestaltung des populären Nachkriegskinos schreibt Grafl 1993: "Gleichzeitig war die Inneneinrichtung auch eine Präsentation österreichischer Handwerkskunst: Schalldämmplatten auf beiden Seiten des Zuschauerraums garantierten eine optimale Tonqualität. Eichenholz im Vorraum, Nussholzrahmung des Bühnenaufbaues und Eichenglastüren waren die Visitenkarten der ausführenden Firmen. Dieser Kinoneubau bot eine besondere Gelegenheit, endlich auch Marmor aus Österreich und Mühldorfer Naturstein für Stiegenaufgang und Foyer zu verwenden."

In den Neunzigerjahren fand man das Kino (Wiedereröffnung 1997) nur auf einschlägigen Pornoseiten im Internet - wobei nur noch die ehemalige Balkonfläche bespielt wurde. Die restlichen Räume des ehemaligen Kinos wurden zu einem Supermarkt adaptiert.

Vielen Dank an Wolfgang Nutzinger für die Informationen

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