APOLLO

Wilhelmshaven (Niedersachsen) , Bismarckstr. 206

eröffnet: 20.12.1945
geschlossen: 2001
Sitzplätze: 287 (1958) - 125 (1997)
Architekt:  
Betreiber: Günther Krüger                               1945-1956

Lübbers & Franzen                         1956-1980

Klaus Weber                                   1981-1982

Hilge Simon,Albrecht & Brencher    1982-1985

Frank Wieder                                  1986-1987

Michael Kundy & Diethelm Bosold  1987-2001

Das „Apollo-Theater“ mit 300 Plätzen befand sich an der Bismarckstraße. Es existierte bereits zum Kriegsende. Detlev Franzen, dessen Vater Rolf in den 60er- und 70er- Jahren als Geschäftsführer für die Capitol Kinobetriebs-GmbH (Capitol, Apollo, Gloria) arbeitete, vermutet, dass das Kino als Ausweichkino für das zerstörte „Capitol“ im Saal eines ehemaligen Varieté -Theaters errichtet wurde.

Günther Krüger betrieb das „Apollo-Theater“ bis etwa 1956, dann verkaufte er es an Gustav und Frieda Lübbers, die 1957 eine breitere Leinwand für die Vorführung von kaschierten Breitwand-Filmen einbauen ließen; zwei Jahre später übernahm Willi Lübbers dieses Lichtspielhaus.

In den 60er-Jahren leitete Lübbers mit seinem Geschäftsführer Rolf Franzen das „Apollo-Theater“. Hier liefen vor allem Western- und Actionfilme, ab den späten 60ern auch Erotikfilme.

Von vielen Wilhelmshavenern wurde das „Apollo“ als „Kino zum Mitschießen“ bezeichnet – die ersten Reihen waren so nah an der Leinwand aufgestellt, dass die Zuschauer quasi in die Filmhandlung integriert wurden. Noch Jahre später galt in der Stadt der Spruch: „Jedes Jahr zu Silvester, im Apollo ein Wildwester.“ Diese beiden Anekdoten verdeutlichen das häufige Abspielen von Westernfilmen in diesem Kino. Zum Teil kann es auch als Nachspieler des „Capitol“ genutzt worden sein.

Etwa 1980 übernahm die Capitol Kinobetriebe GmbH, Geschäftsführer Klaus Weber, das „Apollo“ und das „Gloria“.

Im „Apollo“ wurde im Laufe der 70er-Jahre die Platzzahl auf 140 Sitze reduziert. Zu dieser Zeit diente es teilweise als Nachspieler für das „Capitol“ und zeigte neben den „Schulmädchenreporten“ auch anspruchsvolle Filme, die in dem größeren Kino keine ausreichenden Besucherzahlen erreicht hätten.

Die weitere Existenz der drei übrig gebliebenen Kinos schien gesichert zu sein, bis Mitte 1980 die Pläne zur Einrichtung des „Film-Zentrums“ bekannt wurden: Nach der Eröffnung des Kinocenters fand einerseits eine wettbewerbsbedingte Zuschauerabwanderung statt, andererseits teilten die Verleiher ihre Filme zwischen den beiden Kinobetrieben nicht nach Anzahl der Sitzplätze, sondern nach Anzahl der Säle auf. Hinzu kam, dass das „Film-Zentrum“ auch Kinos in anderen Städten betrieb und mehr Druck auf die Verleiher ausüben konnte als ein lokales Unternehmen mit nur drei Sälen, für die dann nur noch das restliche Drittel des Filmangebotes übrig blieb.

Am Donnerstag, dem 7. Januar 1982, fanden die letzten Vorstellungen im „Capitol“ und „Gloria“ statt, das „Apollo“ lief aus vertragsrechtlichen Gründen noch ein paar Monate weiter.

Im Sommer 1982 bemühten sich die beiden Braunschweiger Johanna Albrecht und Klaus Brencher um die Wiedereröffnung des „Apollo“ als Programmkino in Verbindung mit einem Kommunalen Kino, die am 2. September 1982 erfolgte. Das allgemeine Programm sollte aus bunt gemischten, sowie anspruchsvollen als auch unterhaltsamen Filmen bestehen; im Rahmen des Kommunalen Kinos, das von der Stadt Wilhelmshaven bezuschusst wurde, konnten auch künstlerisch wertvolle Filme gezeigt werden, die nicht mit einem finanziellen Erfolg verbunden sein mussten.

Am ersten Januar 1986 übernahm Frank Wieder, der das Kino für 20.000 DM gekauft hatte, die Leitung. Durch Unregelmäßigkeiten im Programmablauf stellte die Stadt ihre Zuschüsse für das Kommunale Kino ein, der Ruf des Kinos wurde zusehends schlechter:

Mitte 1987 wagten die Wilhelmshavener Michael Kundy und Diethelm Bosold einen Neuanfang: Sie kauften das Kino und starteten einen Neuanfang mit anspruchsvollen und wertvollen Filmen. Um den Betrieb finanziell abzusichern, waren sie gezwungen, auch Kassenschlager zu zeigen. Da der ehemalige Besitzer bei den Verleihern  Schulden hinterlassen hatte, weigerten sich anfangs viele, ihre Filme in das „Apollo“ zu geben, so dass Vorauszahlungen zu leisten waren. Durch den regen Zuspruch der Wilhelmshavener Bevölkerung war die weitere Existenz dieses Kinos vorerst gesichert.

1997 wagte Kundy eine Investition und renovierte den Saal, zudem baute er eine neue „Dolby-Digitalton-Anlage“ ein. Ermöglicht wurden die Neuerungen durch seine gute Programmgestaltung, die mit vielen Bundesfilmprogrammpreisen sowie dem Niedersächsischen Filmprogrammpreis honoriert wurde.

Inhaltlich liegen die Kinotypen Programmkino und Multiplex auseinander, so dass hier die befürchteten Abwanderungstendenzen durch eine Neueröffnung eines Multiplexes geringer waren. Die befürchtete Verdrängung durch das „Kinopolis“ fand auch nicht statt, stattdessen gingen die Geschäftsleitung der Multiplex-Gruppe und Kundy nun gemeinsame Wege: Kundy übernahm die Theaterleitung des „Kinopolis“ und verlegte das Programmkino zum 13. September 2001 in einen Saal des Multiplex. Dieser Zusammenschluss entsprach einer bundesweiten Strategie der Betreibergruppe, bei der den örtlichen Kinoleitungen eine größere Entscheidungsfreiheit zugestanden wurde: Durch diese Dezentralisierung sollten die Kinoleitungen besser auf die lokalen Gegebenheiten ihres Standortes eingehen können.

Im Sommer 2004 gab es keine aktuelle Nutzung des ehemaligen „Apollo“. 

  Frontansicht im Sommer 2004, links der ehemalige   Kinoeingang
     Seitenansicht des ehemaligen Kinosaal im Sommer 2004

Quellennachweis:

Die Informationen zu den Kinos stammen aus meiner Diplomarbeit "Die Kinoentwicklung in der Region Oldenburg / Ostfriesland zwischen 1945 und 2004". Hier finden Sie auch die genauen Angaben zu den von mir verwendeten Quellen. (Auf genauere Fußnoten verzichte ich hier aus organisatorischen & zeitlichen Gründen.) Als Forschungsgrundlage dienten alte Filmtheater-Adressbücher, die umfassende Sammlung Wilhelmshavener Zeitungsartikel des Stadtarchivs und Interviews mit den (ehemaligen) Betreiberinnen und Betreibern.

Vielen Dank an Stephan Bents für die Gestaltung dieser Seite

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