FILM - CENTER AM RATHAUS

Wilhelmshaven (Niedersachsen) , Bismarckstr. 185

eröffnet: 1980
geschlossen: 2000
Sitzplätze: unterschiedliche Angaben in unterschiedlichen Quellen; ca.: 190, 160, 150, 140, 80, 80
Architekt:  
Betreiber: Lutz und Udo Brockstedt                  1980-1995

Krugmann & Weischer (Union)         1995-2000

Am 29. Juli 1980 berichtete die „Wilhelmshavener Zeitung“ von dem Vorhaben eines Buchholzer Kinounternehmens, in dem ehemaligen „Kuhlmann-Gebäude“ an der Bismarckstraße 185 ein Kino-Center mit sechs Sälen einzurichten. Ende Dezember eröffneten die Brüder Lutz und Udo Brockstedt das für 3,12 Millionen DM eingebaute „Film-Zentrum am Rathaus“ mit insgesamt 800 Plätzen als Raucher-, Service und Verzehrkino.

In fünf Sälen zeigten sie ein breites Filmprogramm für möglichst viele Besucherschichten, ein weiterer Saal diente ausschließlich der Vorführung von Beate Uhse-Pornofilmen. Innerhalb der ersten zehn Jahre seines Bestehens konnte das Center 2,35 Millionen Besucher verzeichnen, der Großteil von ihnen waren junge Menschen im Alter zwischen 10 und 30 Jahren. Diese Neueinrichtung eines Kino-Centers war selbstverständlich nicht ohne Auswirkungen auf die drei noch existierenden Kinos 

Nach der Eröffnung fand einerseits eine wettbewerbsbedingte Zuschauerabwanderung statt, andererseits teilten die Verleiher ihre Filme zwischen den beiden Kinobetrieben nicht nach Anzahl der Sitzplätze, sondern nach Anzahl der Säle auf. Hinzu kam, dass die Betreiber des „Film-Zentrum bzw. Film-Center“ auch Kinos in anderen Städten hatten und mehr Druck auf die Verleiher ausüben konnte als ein lokales Unternehmen mit nur drei Sälen, für die dann nur noch das restliche Drittel des Filmangebotes übrig blieb.

Am Donnerstag, dem 7. Januar 1982, fanden die letzten Vorstellungen im „Capitol“ und „Gloria“ statt, das „Apollo“ lief aus vertragsrechtlichen Gründen noch ein paar Monate weiter.

Am 19. September 1991 berichtete die „Wilhelmshavener Zeitung“ von der Renovierung des „Filmzentrum am Rathaus“: „Alle sechs Kinosäle, das Foyer sowie die Außenfassade wurden renoviert oder umgebaut und verleihen dem Filmzentrum eine freundliche Atmosphäre. […] Des weiteren berichtet der Artikel, dass das Kino seit seiner Eröffnung vor elf Jahren 2,8 Millionen Besucher verzeichnen konnte.

Laut dem Inhaber Lutz Brockstedt gehe der Trend zum Kino (damals) seit drei Jahren wieder nach oben, nachdem die Branche zwischen 1982 und 1987 Einbußen durch Video und Kabelfernsehen hatte hinnehmen müssen; der neue Besucherzuwachs sei auf die gestiegene Qualität der Filme zurückzuführen.

1995 übernahm die Hamburger „Union Kinobetriebsgesellschaft Krugmann & Weischer“ das Haus.

Etwa zwei Jahre später begann sich die Stadt Wilhelmshaven im Rahmen der Sanierung der Bahnhofsumgebung um die Errichtung eines Großkinos zu bemühen. Nach bereits erfolgter Neuerrichtung einer Einkaufspassage mit Gleisanschluss zur Aufwertung der Innenstadt sollte das nähere Bahnhofsgebiet attraktiver gestaltet werden. Nun sorgte sich das Kino-Zentrum vor einer ähnlichen Verdrängung, die es in den 80er-Jahren selbst verursacht hatte: Der mittelständischer Kinobetrieb fürchtete, beim Verleih der Kopien neuer Kassenschlager in die zweite Reihe gestellt zu werden...

Die Neueröffnung des „Kinopolis“ hatte wie vermutet negative Auswirkungen auf das „Filmzentrum am Rathaus“: Hier wurde einerseits ein Besucherrückgang verzeichnet, zudem verschlechterte sich die Filmversorgung durch die Verleiher. Das wiederum wird eine weitere Abwanderung verursacht haben. Am 31. August 2000 fand hier die letzte Vorstellung statt. Das Gebäude wurde inzwischen umgebaut und beherbergt mehrere Firmen. Im Foyer erinnert ein alter Filmprojektor, der allerdings nicht aus diesem Haus stammt, an die ehemalige Kinonutzung, zudem stehen in dem weit verzweigten Gebäude vielerorts Kinositze.

  Das Center in den 80er Jahren 
           Das anderweitig genutzte Gebäude im Sommer 2004
Dieser Bauer-Projektor erinnert 2004 im Inneren des Gebäudes an die ehemalige Kinonutzung. Die Maschine stammt aber aus einem anderen Haus.

Quellennachweis:

Die Informationen zu den Kinos stammen aus meiner Diplomarbeit "Die Kinoentwicklung in der Region Oldenburg / Ostfriesland zwischen 1945 und 2004". Hier finden Sie auch die genauen Angaben zu den von mir verwendeten Quellen. (Auf genauere Fußnoten verzichte ich hier aus organisatorischen & zeitlichen Gründen.) Als Forschungsgrundlage dienten alte Filmtheater-Adressbücher, die umfassende Sammlung Wilhelmshavener Zeitungsartikel des Stadtarchivs und Interviews mit den (ehemaligen) Betreiberinnen und Betreibern.

Vielen Dank an Stephan Bents für die Gestaltung dieser Seite

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