KINOPLEX

Wilhelmshaven (Niedersachsen) ,

eröffnet: 1999
geschlossen: in Betrieb
Sitzplätze: 1781 Plätze in 9 Sälen: 135 + 144 + 144 + 246 + 443 + 246 + 144 + 144 + 135
Architekt:  
Betreiber: Theile Hoyts Cinema Europe           1999-2002                       Kinoname: Kinopolis

KPE Multiplextheater                      2002-2004

Gusto Management                          seit 2004                          neuer Kinoname: Kinoplex

Am 22. Februar 1997 berichtete die „Wilhelmshavener Zeitung“ über die positive Entscheidung der von der amerikanischen „United Cinemas International“ (UCI) gestellten Bauvoranfrage. Des weiteren hatte auch der damals zweitgrößte deutsche Kinobetreiber „Kieft & Kieft“ aus Lübeck sein Interesse an der Errichtung eines Multiplexkino bekundet; die Verhandlungen mit ihm kamen jedoch ins Stocken, da „Kieft & Kieft“ die von der Stadt forcierte Aufstelzung des Gebäudes zur Gewinnung von Parkmöglichkeiten zu teuer erschien. Sie boten den Bau eines Parkhauses an.

Ende April berichtete die lokale Presse, dass die Lübecker Kinobetreiber den Zuschlag erhalten haben und 8 Säle mit 1.500 Plätzen erbauen werden.

Die „Philosophie“ der neuen Multiplexe drückt sich in der erlebnisorientierten Freizeitgestaltung der Häuser aus, die Kino, Einkaufen und Gastronomie unter einem Dach vereinigen sollten. Doch der Baubeginn verzögerte sich, ähnlich wie in Oldenburg der Bau des damaligen „Omniplex“. Zudem erklärte der erste Investor (UCI) das weitere Fortbestehen seines Interesses. Im Juli 1998 stand fest, dass das geplante Großkino auch tatsächlich errichtet werden wird. Jedoch erhielt jemand anderes den Zuschlag: Der Investor, die IPEM Immobilien- und Managementgesellschaft mbH aus Köln, hatte inzwischen Verträge mit dem Betreiber, der „Hoyts Cinema Europe“ aus Düsseldorf, abgeschlossen. Dieses multinationale Kinounternehmen betrieb damals Häuser in Australien, Neuseeland, den USA, Mexiko, Chile und Österreich; ursprünglich stammt die expandierende Firmengruppe aus Australien.

Der nun beschlossene Baubeginn wurde von den Kinos in der Umgebung mit Besorgnis aufgenommen: Nicht nur das „Film-Zentrum“ fürchtete um seine Zukunft, auch Michael Kundy vom Programmkino „Apollo“ sowie das Ehepaar Döring aus Jever vom „Filmservice-Center“ (ehemals „Filmzentrum Jever“), bangten um ihre berufliche Existenz.

Kundy fand zwar die Idee einer Kinoneueinrichtung vom Prinzip her gut, da das aktuelle Wilhelmshavener Kino-Angebot in Bezug auf die Tontechnik und Raumgröße unter dem Standart vergleichbarer Großstädte lag; jedoch hielt er die angestrebte Größenordnung von 1.800 Plätzen zu groß, schließlich (so berichtete die lokale Presse) sei „Wilhelmshaven zu zwei Seiten hin von Schlick und Wasser umgeben. [...] und Seehunde gehen nicht ins Kino“.

Am 1. Dezember 1999 eröffnete das „Kinopolis“ mit 9 Sälen und etwa 1.780 Plätzen. Die Theaterleitung übernahmen die Wilhelmshavenerinnen Anja Hellmann und Marion Oltmanns. Die lokale Presse beschrieb den Neubau wie folgt: „Beim Betreten des Gebäudes empfängt einen das großzügige Foyer, das mit hellen Farben eine angenehme Atmosphäre hat. […] jede Leinwand in den neun Kinos nimmt die komplette Front des Kinosaals ein […]. Wände, Fußboden, Decke und Stühle sind komplett in schwarz […]. Bei den 1.780 Sitzen im „Kinopolis“ handelt es sich um ergonomisch geformte Vollpolstersessel – keine Klappsessel – mit Armlehnen. Der Höhenunterschied zwischen den Reihen beträgt mindestens 32 Zentimeter […].Computergesteuerte Projektoren erzeugen ein gestochen scharfes Bild. Die neuesten Digitaltonsysteme sorgen für einen brillanten und vollen Klang.“

Die hier gezeigten Filme entsprachen den Programmen anderer deutscher Multiplexe. Die Neueröffnung des „Kinopolis“ hatte wie vermutet negative Auswirkungen auf das „Filmzentrum am Rathaus“. Hier wurde einerseits ein Besucherrückgang verzeichnet, zudem verschlechterte sich die Filmversorgung durch die Verleiher. Das wiederum wird eine weitere Abwanderung verursacht haben: Am 31. August 2000 fand die letzte Vorstellung statt. Das Gebäude wurde inzwischen umgebaut und beherbergt mehrere Firmen.

Inhaltlich liegen die Kinotypen Programmkino und Multiplex weiter auseinander, so dass hier die befürchteten Abwanderungstendenzen durch eine Neueröffnung geringer waren. Die befürchtete Verdrängung des „Apollo“ durch das „Kinopolis“ fand auch nicht statt, stattdessen gingen die Geschäftsleitung der Multiplex-Gruppe und Kundy nun gemeinsame Wege: Er übernahm die Theaterleitung des „Kinopolis“ und verlegte das Programmkino zum 13. September 2001 in einen Saal des Multiplex.

Dieser Zusammenschluss entsprach einer bundesweiten Strategie der Betreibergruppe, bei der den örtlichen Kinoleitungen eine größere Entscheidungsfreiheit zugestanden wurde.Durch diese Dezentralisierung sollten die Kinoleitungen besser auf die lokalen Gegebenheiten ihres Standortes eingehen können.

2002 übernahmen die „KPE Multiplextheater“ aus Darmstadt den Betrieb des Hauses.

Seit der Schließung des „Filmzentrums“ und der Verlagerung des „Apollo“ gibt es in Wilhelmshaven mit dem „Kinopolis“ nur noch ein Kino.

Das hier gezeigte Filmprogramm besteht zum größten Teil aus den Top 10 der Mainstreamware, hingegen bietet das „Apollo im Kinopolis“ aktuelle, nationale sowie internationale und anspruchsvolle Filmkost und Kinderfilme an.

Kundy, zitiert aus der lokalen Presse: „Von der Zusammenlegung profitieren auch die Zuschauer, da das Ausleihen neuer guter Filme heute wesentlich leichter als früher ist. 80 % der Zuschauer akzeptierten die Umwandlung; zudem entstehen Synergieeffekte, da sich ein Teil des Programmkinopublikums auch andere Filme ansieht. Die Altersstruktur der Besucher liegt hier zwischen 14 Jahren und Mitte 20, die Zuschauer des Programmkinos sind in der Regel älter; das Kino wird zudem auch von Seniorengruppen besucht".

Zum 1. November 2004 übernahm die „Gusto Management“ dieses Haus zusammen mit drei weiteren Multiplexe anderer deutscher Städte. Seitdem läuft es unter dem Namen „Kinoplex“.

Innerhalb der letzten 60 Jahre hatte die Stadt Wilhelmshaven viele tiefgreifende Veränderungen in der Kinolandschaft zu verzeichnen: Die Bomben des Zweiten Weltkriegs hatten bis auf ein Lichtspielhaus alle Filmtheater zerstört. Viele der behelfsmäßig geschaffenen Ersatzspielorte stellten ihren Betrieb wieder ein, nachdem in den 50er-Jahren die neuen Kinos eingerichtet worden waren, denen während der folgenden Rezession viele zum Opfer fielen. Die letzten von ihnen verschwanden nach der Einrichtung des „Filmzentrums“ von der Bildfläche. Dieses wiederum schloss nach der Eröffnung des Multiplexes. Das entspricht einer fünffachen Umstrukturierung, wie sie wohl in nur wenigen deutschen Städten stattgefunden haben mag.

Kinopolis im Sommer 2004

Quellennachweis:

Die Informationen zu den Kinos stammen aus meiner Diplomarbeit "Die Kinoentwicklung in der Region Oldenburg / Ostfriesland zwischen 1945 und 2004". Hier finden Sie auch die genauen Angaben zu den von mir verwendeten Quellen. (Auf genauere Fußnoten verzichte ich hier aus organisatorischen & zeitlichen Gründen.) Als Forschungsgrundlage dienten alte Filmtheater-Adressbücher, die umfassende Sammlung Wilhelmshavener Zeitungsartikel des Stadtarchivs und Interviews mit den (ehemaligen) Betreiberinnen und Betreibern.

Vielen Dank an Stephan Bents für die Gestaltung dieser Seite

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