THALIA

Wuppertal - Elberfeld (Nordrhein-Westfalen), Islandufer 15 

eröffnet: 12.12.1906 - 29.09.1950 (Wiedereröffnung)
geschlossen: 1967
Sitzplätze: 1800 (1920) - 1813 (1950) - 1657 (1958/1965)
Architekt: Boswau und Knauer (1906) - Rudolf Klophaus, Hamburg (Wiederaufbau 1950)
Betreiber: Theater- und Saalbaugesellschaft Dir: Martin Stein          1906
Arnold und Bars                                                             1917
Kurt Elschner                                                                 1919
Erich Racz, Hamburg                                                      1920-                    L2004
Robert Riemer, Dortmund                                               1929-1932
W. Koch & Co                                                               1939-1943
Robert Bartholomay                                                        1950-30.07.1953
Deutschen Filmtheater GmbH (Ufa) Gf: Erich Scharloh     1.8.1953-1962
Kurt Pretschner                                                               1963-ca.1966

1906 wurde das "Thalia" als Kino- und Variétetheater eröffnet. In der Folgezeit war das Unternehmen meist nicht in den Branchenadressbüchern gelistet, was auf einen Schwerpunkt im Variéte- und Gastspielbereich schließen lässt. I Komplex war ab 1925 auch eine Rundfunkanstalt beheimatet. Langjähriger Direktor war zu dieser Zeit dr. Eckert. Nach einem Bombenangriff 1943 blieb sieben Jahre lang nur eine Ruine stehen.
In 180 Tagen wurde 1950 dann der Wiederaufbau vollzogen. Architekt Klopphaus wandelte das ehemals im Barockstil errichtete Theater unter weitgehender Verwendung vorhandener Bauteile in ein modernes Kino mit ruhigen und harmonischen Linien um. Die Südfront erhielt einen Arkaden-Bürgersteig. Der über 16m hohe Zuschauerraum behielt seine typische Rundform und wurde mit einem plastischen Anstrich versehen. Der 2. und 3. Rang, früher nur über Nebentreppenhäuser erreichbar, erhielten ein gemeinsames Foyer und Zugänge über das Haupttreppenhaus.Eine Besonderheit stellte die 8,5m breite Saalkrone mit einem Gewicht von 1,5t dar. Die 12m breite Bühne konnte unter Zuhilfenahme des mit einer hydraulischen Hebebühne ausgestatteten Orchesterraums bis dicht an die Sesselreihen vergrößert werden. Der Bildwerferraum war mit Bauer-12-Maschinen ausgestattet. Die Lichtbildwand "Sonora Supra" hatte die Maße 7,20x5,20m. N5044
 Gegen ein neues Nachkriegs-„Thalia" standen Pläne aus einer totgesagten Epoche. Die Nazis nämlich hatten einen großzügigen Ausbau der Talachse zur B 7 erdacht und den Nachkriegs-Stadtvätern damit einen Floh ins Ohr gesetzt. Die wuchtige „Thalia"-Ruine stand solcher Großmannssucht nur im Weg. Dennoch stimmte der Stadtrat 1950 für eine Wiedereröffnung. Bartholomay schüttelte dazu eine neue Konzertorgel von Walker aus dem Ärmel, die mit 5.400 Pfeifen noch gewaltiger war als die alte Phillips. Den Tricks der mittlerweile allzu gerissenen Ufa zeigte sich der wagemutige Kinobesitzer jedoch nicht gewachsen. So erhielt er zur Wiedereröffnung des Hauses nicht das bestellte „Schwarzwaldmädel", das vielmehr im „Modemen Theater" groß herauskam, sondern zweitklassigen Ersatz. Exklusivrechte für Wuppertaler Filmpremieren blieben dem „Thalia" auch weiterhin verwehrt. Als Gary Cooper zur Erstaufführung von „Zwölf Uhr mittags" nach Wuppertal reiste, war es dann auch das „Salamander", das den Star empfing. Bald darauf, 1954, musste dieses Kino wegen einer Forderung des gleichnamigen Schuhherstellers als „Rex" neu durchstarten.
Dem „Thalia" schien eine neue Zukunft als Musikbühne zu winken, nachdem dort Bands wie die „Lords" oder „The Who" aufgetreten waren. Doch die Stadt als neue Eignerin nach der Ufa missachtete solche Zeichen und verstrickte sich in eine unselige Debatte um ihr Schauspielhaus: Sollte das „Thalia" zu diesem Zweck umgebaut oder ein gänzlich neues Haus errichtet werden? Der Rat stimmte 1962 für den Neubau an der Kluse. Nebenan steht heute das "CinemaxX", während dem Schauspielhaus unter dem Druck der Kommunalverschuldung inzwischen das Ende droht. Das „Thalia" wurde gegen den Protest von Denkmalschützern 1967 abgerissen, um dem Hochhaus der Stadtsparkasse Platz zu machen.
Quelle: Manfred Görges: Beinschwingende Nummerngirl - Kinogeschichten aus Wuppertal in Kino Heimat Solingen Verlag Stadtarchiv Solingen

Der Kinobetrieb scheint schon vor 1967 eingestellt worden zu sein. Wer das Bild sieht, kann erahnen, zu welchen architektonischen Verwüstungen im Stadtbild Kommunalpolitiker in den 60ern und 70ern fähig waren....
Eine sehr ausführliche Chronik finden Sie hier


Saal 1950 (Bildquelle: Der Neue Film 8/49)

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