ALHAMBRA

Zehdenick (Brandenburg), Dammhausstr. 45

eröffnet: 07.04.1912 - 16.05.1925 (Alhambra)
geschlossen: Hernst 1990
Sitzplätze: 111 (1912) - 207 (1913) - 402 (1925) - 451 (1928) - 438 (1950) - 210 (1990)
Architekt: Fritz Wilms, Berlin (Neubau 1925)
Betreiber:
Georg Kusche

Familie Blankenburg
VE-Lichtspielbetrieb Gransee
Märkische Kino-Union GmbH i.A.
1912-1920

1920-1958
1958-1989
1990
Kinoname: Pariser Lichtspiele
neuer Kinoname Ende 1912:: Neue Lichtspiele
neuer Kinoname ab 1925: Alhambra


Georg Kusche aus Zehdenick war der Erste, der hier ein Kinematographen-Theater errichten wollte. Er wollte in seinem Hause Dammhaststraße 45/Ecke Schmelzstraße dieses aufbauen lassen. Am 15. Februar 1912 beantragte Georg Kusche bei der Polizei-Verwaltung in Zehdenick den Bau eines Kinematographen-Theaters in seinem Hause Dammhaststraße 45. Die Baupolizei prüfte am 4.März 1912 durch den Zimmermeister W. Pflug den Antrag und hatte keine Einwendungen. – Bereits am 5. März 1912 wurde Herrn Kusche die Bauerlaubnis erteilt, die mit einigen Auflagen bezüglich des Brandschutzes im Apparateraum versehen waren.
Das Kino hatte zunächst 111 Holzklappsitze und hieß zu dieser Zeit „Pariser Lichtspiele“. Am 7.04.1912 um 5 Uhr nachmittags war große Eröffnung mit folgenden Filmen: 1. Verkauft (1.und 2.Teil) Sittendrama, Weltschlager 1000 m lang; 2.Bologna, Naturaufnahme; 3. Nauke mit dem Fußball, humoristisch; 4. Pflicht und Ehre, Drama; 5. Der unerfahrene Motorbootführer, humoristisch; 6. Vier Lebensschicksale, Komödie; 7. Die Brummfliege, humoristisch; 8. Ein kurzes Glück, Drama; 9. Die Waschfrau, humoristisch; 10.Leidenschaft, Drama, herrlich koloriert; 11. Der elektrische Orgelspieler, humoristisch.
Schon im September 1912 wurde das Kino durch einen Anbau erweitert. Es hatte nun 207 Sitzplätze und wurde als "Neue Lichtspiele" am 14.09.1912 eröffnet. 1918 erfolgte eine Renovierung, die darauffolgende Neueröffnung am 24.08.1918.
Am 15.2.1920 verkaufte Georg Kusche sein Kinematographen-Theater nebst Grundstück an Gustav Blankenburg. Infolge der Inflation schloß das Lichtspielhaus vom 6.11.1923-24.11.1923.
Im November 1924 beschließt Gustav Blankenburg, ein neues und größeres Kino auf seinem Grundstück zu bauen. Der Entwurf und die Zeichnungen für den Bau stammten von dem Spezialarchitekten für Kinobauten Fritz Wilms aus Berlin. Es sollte 362 Plätze sowie 40 Logenplätze enthalten. Am 12.5.1925 kündigt Blankenburg im „Zehdenicker Anzeiger“ die Abschiedsvorstellung in den „Neuen Lichtspielen“ im alten Saale an. Am Sonnabend darauf, 16.05.1925, fand dann die 1. offizielle Einweihungsvorstellung des neuen Filmpalastes „Alhambra“ statt. Das neue Alhambra verfügte über 402 Sitzplätze inklusive 6 Logen an den Außenwänden mit je 8 Plätzen.
Blankenburg hatte Filialen in Falkenthal im Lokal des Herrn Gericke (1925), in Bergsdorf (1926).
1928 baute Blankenburg einen Balkon mit weiteren 49 Plätzen in den Saal des Alhambra ein. Am 27.02.1931 fand die Tonfilmpremiere im Alhambra statt, die Stummfilmzeit war vorbei.
1938 wurden Renovierungen durchgeführt. Der Saal hatte jetzt Wandbespannungen aus Samt, einen neuen Kinovorhang und neue Kinoprojektoren.
1941 starb Gustav Blankenburg, sein Sohn Franz Blankenburg übernahm den Kinobetrieb. 1942 wurden Franz Blankenburg und sein Stiefbruder Robert Schütz, Filmvorführer, zum Krieg eingezogen. Nun wurde Charlotte, die Frau von Franz Blankenburg, Geschäftsführerin.
Im Juni 1945 wurden die Filmvorführungen wieder aufgenommen – man hatte noch Reservefilme. Drei Wochen danach wurden Blankenburgs enteignet. Franz Blankenburg blieb jedoch im Kino. Im Frühjar 1946 fand im „Alhambra“ der Zusammenschluss der SPD mit der KPD zur SED statt. Durch Umfangreiche Werbung kamen viele Besucher ins KINO: Amüsieren und den Krieg vergessen. „Die Mörder sind unter uns“ und „Der Rat der Götter“ waren zwei der neuen DEFA-Produktionen.
Franz Blankenburg verstarb und sein Sohn Wolfgang übernahm das Alhambra. Die Filmrollen wurden damals noch direkt vom Progress-Filmverleih in Berlin abgeholt. Bis August 1958 war das Kino im Besitz der Familie Blankenburg. Der VE-Lichtspielbetrieb Gransee übernahm anschließend das Kino.
1959 wurden im „Alhambra“ Umbauten vorgenommen. Logen und der Balkon wurden entfernt, der Eingangsbereich bekam ein völlig neues Gesicht. In den 70er-Jahren sollte das Kino vorübergehend geschlossen werden, es musste ein neues Heizhaus gebaut werden. Aber auch danach kamen nicht mehr viele Kinobesucher. 1989, mit Zusammenbruch der DDR, wurde das „Alhambra-Lichtspieltheater“ stillgelegt. Zehdenick hat nun seit langer Zeit, genau wie Gransee, kein Kino mehr.
Im Herbst 1990 gab es die letzten Vorstellungen, dann schon zu D-Mark Preisen.
1991 erfolgte die Beräumung des Kinos. Sitze und Filmtechnik wurden ausgebaut sowie die Gedenktafel zur Vereinigung der KPD und SPD zur SED entfernt. Zur Sicherung des Objektes wurden Türen und Fenster mit Brettern vernagelt, wobei auch fast alle Scheiben zerstört wurden.
Quelle: Schautafel am ehemaligen Kino, basierend auf Berichten in der "Märkischen Allgemeinen".

      
Ansicht 2018 - Vielen Dank an Cordula Döhrer für die Fotos


"Neue Lichtspiele" 1912 (Bildquelle: Postkarte)

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Datum der Erstellung/letztes Update: 30.08.2018