DIE  KURBEL

Karlsruhe (Baden-Württemberg), Kaiserpassage (vorher Kaiserstr. 211)

eröffnet: 1919 bzw. 1957
geschlossen: in Betrieb (Kinemathek) - 02.08.2018 (Kurbel)
Sitzplätze: 610 (1940) - 631 (alte Kurbel 1953) - 750/222 (1958) - 250/122/79/150 (2006)
Architekt: Reinhold Grund & Bernd Gutmann, Karlsruhe
Betreiber: Eduard Hof                                   1919-mind. 1927  Kinoname: Union
Eugen Kistner                               1931-1938
Ufa                                               1937-1944           neuer Kinoname: Ufa-Theater
Hubertus Wald                             1947-1972           Wiederinstandsetzung, neuer Kinoname: Die Kurbel
Olympic                                        1972-1981
Ufa                                               1981-2004
Bozidar Herbstrith                         2005-2010
Kurbel Filmtheater eG                   seit 2010 ( +Kinemathek Karlsruhe als Betreiber von Studio 3)

Ursprünglich hatte es in Karlsruhe "Die Kurbel" bereits vor dem Krieg direkt an der Kaiserstraße unter dem Namen "Union"gegeben. Sie war Teil des damaligen Kinoimperiums der "Süddeutschen Filmtheaterbetriebe Hubertus Wald". Dieser überlies das ursprüngliche Kino der Kaufhalle in Erbpacht, welche darauf und auf dem Nachbargrundstück ihren Neubau realisierte. 1953 wurde das Kino nochmals renoviert, nur um 3 Jahre später zu schließen.

Direkt gegenüber, in der Kaiserpassage, eröffnete Hubertus Wald 1957 die Kurbel neu. Ähnlich dem Zoo-Palast in Berlin, ging Hubertus Wald was die Grundstückseinteilung anging hierbei neue Wege. Er verzichtete auf einen Balkon und errichtete im Erdgeschoss ein großzügiges Foyer sowie ein kleineres, intimes Filmtheater welches er "Studio 3" nannte. Den großen Kinosaal der Kurbel, welcher das komplette quadratische Grundstück einnahm, verlegte er in den ersten Stock.

Lange vor dem "Bikino" in Berlin (Zoo-Palast" war bereits Walds Heidelberger Doppeltheater (Lux und Harmonie) eröffnet worden und jetzt hatte man das System des „Miteinander" und „übereinander“ in der Karlsruher Kaiserpassage mit der (neuen) „Kurbel“ und dem „Studio 3“ erneut praktiziert. Es war die glückliche Kombination eines großen Erstaufführungstheaters mit einem intimen Filmkunst-Studio. Die Statik stellte besondere Anforderungen an die Architekten Reinhold Grund und Bernd Gutmann und an den Statiker Walter Anselment. Zu ebener Erde - wie die Kassenhalle und das Foyer - lag das untere Theater. Im „Studio 3“ gaben die nachtblauen Velour-Wandbespannungen, 220 schwere. graue Polstersessel und ein gelber Vorhang den richtigen Farbenakkord für ein intimes Filmkunststudio. In dem ausgesprochenen Kammertheater zog eine 10 x 4 m große Bildwand die Blicke auf sich. Sie wurde von Bauer-B 11-Projektoren bespielt und eine Siemens-Klangfilm- (Magnet-) Tonanlage mit drei Lautsprecherkombinationen und vier Effekt-Lautsprechern wirkte durch verblüffenden Raumklang. Zur vorführtechnischen Einrichtung des „Studio 3“ gehörte auch ein Fernsehprojektor, der jederzeit aktuelle Sendungen übernehmen konnte.
Eine Treppe höher: das rund 750 Plätze fassende und 550 qm große Haupttheater, die (neue) „Kurbel“. Hier herrschte eine andere, mit neuen Farbenkombinationen durchsetzte, dekorative Note, aber die sich schon unten abzeichnenden Vorteile der anheimelnden Bequemlichkeit (äußerst mögliche Reihendistanz) waren auch oben erhalten geblieben. Drei Vorhänge schlossen sich vor der 12,50 x 5,20 m großen Bildwand auf der auch für Gastspielegeeigneten, geräumigen Bühne. Im „Kurbel"-Vorführungsraum arbeitenden Bauer B-14-Projektoren mit einer Siemens - Klangfilm- (Magnetton-) Anlage, zu der drei Lautsprecherkombinationen mit sechs Effektlautsprechern gehörten. Beim technischen Komfort befand sich auch eine Schwerhörigen-Anlage. Beide Theater, die vom Spezialhaus Teppich-Schlüter, Bonn, innenausgestattet wurden, waren mit einer Klimaanlage versehen. Es gab eine zentral gesteuerte Ölheizung und eine Kühlanlage, die von einem eigenen, 21 Meter tiefen Brunnen gespeist wurde. Im oberen Stockwerk sind Stargarderoben, Personal-, Theaterleiter- und Lagerräume untergebracht.
Auch die alte "Kurbel-Taverne" aus der Kaiserstraße zog in den geräumigeren Theaterkeller in der Kaiser-Passage um. Am Eröffnungstag empfing Hubertus Wald eine große Anzahl Gäste aus Verleih-, Theater- und Fachpressekreisen, führte sie durch die Theater und ließ alle an überzeugenden Bild- und Tonproben teilnehmen. Besondere Aufmerksamkeit und Beifall fand die Uraufführung des von der Eröffnung der „Heidelberger Bikinos gedrehten Schmalfilms. Zur offiziellen Einweihung durchschnitt der Oberbürgermeister von Karlsruhe - Günther Klotz - das Vorhangband. Er, sowie Architekt Reinhold Grund und Ilans Kahlert, der Geschäftsführer und Syndikus des WdF Baden-Württemberg beglückwünschten dHubertus Wald, dessen Theaterpark jetzt 18 Häuser zählte, zu seinem Neubau.

Wie alle Kinos der Süddeutschen Filmtheaterbetriebe wechselte die Kurbel (zusammen mit den Karlsruher Kinos "Die Kamera", "Luxor" und "Regina") an die Olympic Filmtheaterbetriebe und anschließend zur UFA Theater AG. Diese unterzog den immerhin 800 Besucher fassenden Saal der Kurbel 1982 einer Vierteilung, das "Studio 3" blieb unverändert. 2002 wurde die Kurbel als eines der letzten Projekte der UFA Theater GmbH & Co. KG renoviert. Hierbei wurde das kleinste Kino (Kurbel 5) zugunsten einer neuen Toilettenanlage geopfert. Da man in das Foyer eine (mittlerweile wieder geschlossene) Gastronomie integrierte, wurde der Kassen und Concessionbereich in den mittigen Eingang des "Studio 3" verlegt, für welches somit eine neue Eingangssituation geschaffen werden musste.Nach dem Übergang der UFA an Cinestar zeigte diese wenig Interesse an dem Haus, da sie in Karsruhe mit dem ZKM bzw. im Programmkinobereich deren Partner Georg Fricker mit der Schauburg bereits ausreichend vertreten war. Der langjährige Vorführer und Theaterleiter der Kurbel, Bodzivar Herbstrith, kam einer Schließung des Traditionskinos jedoch zuvor und betrieb es bis 2010 in Eigenregie.

Das Kino spielte danach als Genossenschaft mit 3 Sälen weiter. Im "Studio 3" residiert nun die Kinemathek Karlsruhe.

Im tropischen und für Kinobetreiber katastrophalen Sommer 2018 gab die Genossenschaft dann auf. Die Räumlichkeiten werden seitdem vom Jazzclub genutzt.

Weitere Informationen hier.


Bilder von 2004
Vielen Dank an Robert Bernnat für die Farbilder und Informationen

Saal nach Instandsetzung 1947 (Bildquelle: Der Neue Film 12/1947)

Ansicht 1949 (Bildquelle: Der Neue Film 29/49)

 alte Kurbel 1948
(Bildquelle: Der Neue Film 05/48)


Ansicht 1950er-Jahre (Bildquelle: Plakatwand vor dem Haus)

Foyer 1957 (Bildquelle: Das Filmtheater 5/1957)

Foyer 1957 (Bildquelle: Das Filmtheater 5/1957)

Treppenaufgang 1957
(Bildquelle: Filmecho 74/1957)

"Kurbel-Taverne" 1957 (Bildquelle: Der Neue Film 1/1958)



Ansicht 2023

Saal 2024

Saal 2024

Ein Bild der langjährigen Kassiererin Emmy Kessler sehen Sie hier. Ein weiteres Foto hier.

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Datum der Erstellung/letztes Update: 22.01.2025 - © allekinos.com