ASTORIA

Leipzig (Sachsen), Windmühlenstr. 31

eröffnet: 13.11.1912
geschlossen: 04.12.1943
Sitzplätze: 1600 (1918/1928) - 1466 (1940)
Architekt: P. Grempler & Max Bösenberg
Betreiber: Lichtspiel Gesellschaft mbH, Bremen          1912

Continental-Projektion GmbH                     mind.1917-1923

Ufa                                                             1924-1943

Das neue Theater an der Windmühlenstraße ist vergangenen Mittwoch vor einem nach anderthalb tausend Personen zählend geladenen Publikum, das zumeist in Gesellschaftstoilette erschienen war, mit einer Gala-Premieren-Vorstellung eröffnet worden. Das "Astoria-Lichtspielhaus" ist für die Altstadt Leipzig das erste Gebäude, das zu dem ausgesprochenen Zwecke eines Kinematographentheaters errichtet wurde, und es verdient schon aus diesem Grunde besondere Beachtung. Dann aber auch wegen der großzügigen Anlage des gesamten Unternehmens und ferner wegen der vornehmen Eleganz, die in allem zutage tritt.

Die Voranzeigen nannten das Haus eine Sehenswürdigkeit der Stadt Leipzig, und diese Voranzeigen haben nicht zu viel gesagt. Wir haben hier, was den Zuschauerraum anbelangt, einen durchaus modernen Theaterbau vor uns, der mit den neuesten Errungenschaften der Technik ausgestattet und mit einem kostbaren Innengewand bekleidet ist. Wie die Bühne eingerichtet ist, und ob dabei vorgesehen wurde, diese Bühne eventuell auch zu anderen Zwecken als kinematographische Vorführungen in Gebrauch zu nehmen, das entzieht sich unserer Kenntnis, da wir gestern abend das Haus zum ersten Mal betraten , und die von einem schweren Bühnenportal umgebene weiße Leinwand für uns die Grenze unserer Bewegungsfreiheit bedeutete. Was wir aber bis dahin gesehen hatten, mußte unsere Anerkennung unumwunden hervorrufen.

In geschmackvollem Weiß, das nur von leichtem Gold durchzogen und das durch eine hübsche Deckenbeleuchtung bestrahlt wird, zeigt sich das Éntrée. Es führt direkt in den äußerst bequem eingerichteten Parkettraum, dessen Stuhlreihen breite Gänge durchziehen. Zu beiden Seiten des Éntrées vermitteln breite Treppen den Aufgang zum ersten Rang, der die hocheleganten Logen und hinter den Mittel-Logen die Sperrsitze enthält. Während hinter den Seitenlogen Wandelgänge dem Verkehr dienen. Die Farbe der Wände des Zuschauerraums ist in ein vornehmes Dunkelgrün, dem von den Seiten und der Decke herab eine Fülle von Beleuchtung zuteil wird. Die Beleuchtungseffekte, die sich hier zeigen, sind eine Sehenswürdigkeit für sich. Die Erbauer und Besitzer dieses neuesten Leipziger Theaters sind die Herren Friedrich & Jahn in Leipzig. Die Pläne lieferte Professor Max Bösenberg (Leipzig) und der Architekt war P. Grempler in Halle a.de.S. Die Beleuchtungsanlagen sind ein Werk der Firma Schubert & Co. in Leipzig. Als Pächterin ist die "Lichtspiel Gesellschaft mbH " im Programm aufgestellt worden, das in gleicher Weise der Belehrung wie der Unterhaltung diente. Eingeleitet durch eine Ansprache und durch einen von Herrn Georg Thies verfassten und von Leonore Kurz vorgetragenen Prolog, sowie mit einigen von der aus dreißig Musikern bestehenden Hauskapelle wiedergegebenen Musikstücken, wickelte sich das Programm mit seinem deutlichklaren, flimmerfreien Bildern präzise ab und als das Publikum bald nach 11 Uhr das Haus verließ, war es voll des Lobes über all das, was es innerhalb drei Stunden geschaut hatte.

Quelle: Lichtbildbühne 46/1912

"Das prunkvolle ASTORIA in der Windmühlenstraße 31 war bis zur Eröffnung des CAPITOLS mit rund 1500 Plätzen das größte und bedeutenste Erstaufführungstheater Leipzigs. Es wurde von der LICHTSPIELHAUSGESELLSCHAFT BREMEN erbaut und ging nach Gründung der UFA an diese Gesellschaft über. Beim großen Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 brannte das Kino vollständig aus. Versuche zum Wiederaufbau nach dem Krieg verliefen schließlich im Sande. Die Ruine wurde in den 1960er Jahren abgerissen. Heute steht ein Wohnhaus auf dem Grundstück."

Quelle: Passage Kinos Leipzig

Vielen Dank an Ralph Nünthel (© Leipziger Lichtspieltheater-Archiv)für das Bild

Blick ins Foyer

Vielen Dank an Michael Zock für das Bild

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