LICHTSCHAUSPIELHAUS

Leipzig (Sachsen), Eisenbahnstr. 74

eröffnet: 11.10.1912
geschlossen: 31.12.1962
Sitzplätze: 675 (1913) - 750 (1918) - 698 (1930) - 750 (1962)
Architekt: Rötig und Haeder
Betreiber:                                                                  1912                Kinoname: Ost-Passage Theater

Kurt Kafka                                                1918                neuer Kinoname: Kammerlichtspiele

                                                                  1918                neuer Kinoname: Lichtschauspielhaus

Bayr. Filmges.mbH Fett&Wiesel,München mind.1922-1924

Münchener Lichtspielkunst AG                   1925-1930

Emelka, München                                      1931

Alois Hecht                                                mind.1935-mind.1940

FTB Leipzig                                               1949-1962

Die "Lichtspieltheater-Aktiengesellschaft" Straßburg streckt ihre Fühlhörner immer weiter aus. Jetzt sogar bis nach Leipzig, denn dort hat sie am Freitag, den 11. Oktober ihr großes "Ost-Passage Theater" eröffnet.

Das neue Theater in Leipzig hat sich in doppelter Hinsicht einen nahrhaften Boden ausgesucht, denn einesteils ist die Geschäftsgegend als sehr gut zu bezeichnen, denn das Grundstück Eisenbahnstr. 74 liegt in dichtbevölkerter und sehr kinofreundlicher Arbeiter-, Kleinbürger- und Mittelpublikumgegend und außerdem stand da, wo sich jetzt das prächtige Theater erhebt, vorher eine - Markthalle, deren Zweckbestimmung, die Regelung der Magenfrage, dem modernen Zuge der Zeit folgen musste und jetzt in veränderter Form den geistigen Kino-Genüssen dient. Aber der Zweck heiligt die Mittel. Die Kunst der Architekten Rötig und Haeder, Leipzig, hat hier eine äußerst schwierige Aufgabe gelöst. Die gewaltige Markthalle ist in ein allererstklassiges, äußerst geschmachvolles Kinotheater umgewandelt worden. Nichts erinnert mehr an die frühere Bestimmung des großen Raumes, von dem allerdings eigentlich nur die Umfassungsmauern stehen geblieben sind.

Die hohe, gewölbte Decke von riesiger Spannweite hat keinerlei Säulen als Stützen, und so kann man von allen 750 Sitzen aus bequem und ungehindert das Bühnenbild sehen. Im Hintergrund des Theatersaals ist ein großer Rang mit ansteigendem Boden. Schöne Logen sind dort gebaut worden, und praktisch angelegte Aufgänge sorgen für bequeme Erreichbarkeit der Rangplätze.

Die Bestuhlung hat vernünftigerweise nicht die sonst übliche gerade Reihenaufstellung gefunden, sondern die schwach kreisförmige, so daß außerordentlich bequemes Sehen der Kinobilder erziehlt wurde. Die vielen Nebenräumlichkeiten, auch der Vorraum im Freien etc. sollen als Café und Conditorei im kommenden Frühjahr Verwendung finden. Dankenwerterweise tritt auch zwischen den Kino-Darbietungen der Saalverdunkler in Aktion, um das plötzliche und für die Augen so schmerzhafte Erhellen und Verdunkeln des Theatersaals zu vermeiden.

Die Eröffnungsvorstellung am Freitag, den 11. Oktober fand nur vor geladenen Gästen statt. Das Haus war "ausverkauft". Das Filmprogramm lieferte Herr Segall. Jede einzelne Piéce wurde mit außerordentlichem Interesse entgegengenommen.

Das Programm brachte folgende Films: Denkmäler von Bologne (Naturaufnahme) - Die Büchse der Pandora (Komödie) - Die eiserne Hand (Detektivdrama in 3 Akten) - Pause - Gaumont Woche (Neuseste Ereignisse) - Der neue Schuhputzer (Humoreske) - Vom Stamme verstoßen (Wildwest-Drama) - Die Mode verlangt eine breite Krempe (Posse).

Allseitig wurde die vortreffliche Küstlerkapelle (5 Mann stark) gelobt. Die Geschäftsführung des Etablissements ist Herrn Bode übertragen.

Quelle: Lichtbildbühne 42/1912

Das Kino lag wie in Leipzig fast immer im Hofbereich des Anwesens Eisenbahnstr. 74 und war durch das Vorderhaus zu erreichen. Nach der Wende wurde es als Kirche genutzt und wartet nun in desolatem Zustand wohl auf den Abriß, den in diesem Teilbereich der Straße schon viele Gebäude - unter anderem die wesentlich später geschlossenen Wintergarten-Lichtspiele - trafen. Der dortige Bezirk macht einen heruntergekommenen Eindruck und statt Neubauten entstehen so Baulücken und Brache.

Nachtrag 2011: Dank "Aldi" entging das Gebäude doch noch dem Abriß und ist jetzt ein schmucker Discountmarkt.

 
 
 

Bilder von 2008

                                                          Zustand 2011

Vielen Dank an Hagen Heiduck für das untere Bild

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