OLYMPIA

Winnenden (Baden-Württemberg), Ringstr. 56/1

eröffnet: 1950
geschlossen: in Betrieb
Sitzplätze: 250 (1936/1942) - 500 (1950/1967) - 180/90 (2016)
Architekt: Karl Schauer, Backnang
Betreiber: Eugen Kienle      1936-mind.1967
geschlossen         mind. 1978-1987
Familie Eppler     seit 1987                       

Schon seit 1936 gab es das Winnender "Olympia"-Kino, welches 1950 neu aufgebaut wurde.Das neue Kino entstand 1950 in 7-wöchiger Bauzeit und war in Parkett und Balkon unterteilt. Zartes Pastell in Verbindung mit hellen Naturhölzern wahrte die scheinbare Weite des Raumes.  Die durch einen schweren resedagrünen Vorhang vom Zuschauerraum getrennte Leinwand war der Mittelpunkt einer großen Bühne mit darunterliegendem Orchesterraum für 20 Musiker. Die einwandfreie Akustik wurde durch aufgespritzte Textilfaser-Wände und eine massive Trägerdecke aus Holz erreicht. Die technische Einrichtung bestend aus zwei Nietschke Matador I-Maschinen, Lorenz Kino-Verstärker und Lautsprecher sowie Lorenz Gleichrichter-Anlage. Ein Tefilon ersetzte den Plattenspieler.
Eröffnungsfilm war "Das Schwarzwaldmädel".  N5049
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Lange Zeit geschlossen (in Winnenden gab es noch das "Corso"), erfolgte Ende 1987 die Wiedereröffnung mit zwei Sälen.
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Umbau ist eigentlich eine Untertreibung für das, was die Familie Eppler aus ihrem neueröffneten »Olympia« in Winnenden (bei Stuttgart) gemacht hat. »Vom alten Gebäude blieben eigentlich nur noch die Wände und Decken«, erklärte Bernhard Eppler zu der mit erheblichem finanziellen Aufwand durchgeführten Totalrenovierung, die auch von der FFA mit »dem höchstmöglichen Betrag« gefördert wurde.
Daß sich der Aufwand gelohnt hat, erkennt man sofort, wenn man, durch die beiden »olympischen« Säulen im Kassenraum hindurch, ins Innere des ganz in dunklen Blautönen gehaltenen großen Saals gelangt. Mit ca. 16x20 Meter, bei einer Höhe von ca. 8 Meter, ergibt sich, sowohl was das optische Vergnügen als auch die Akustik angeht, eine für ein Kino beinahe ideale Raumaufteilung. Und auch die Leinwand mit ihren 10x6 Meter kann sich »sehen« lassen, 210 weinrote Sessel (Kamphöner), jeweils 58 cm breit, und ein großzügig bemessener Reihenabstand von 1,05 Meter sorgen für bequeme Kinostunden. Den gediegenden Gesamteindruck runden die dezente Beleuchtung, Teppichböden und nicht zuletzt der schwere, rote Vorhang ab.
Mit 6,5x3 Meter verfügt auch die Leinwand des kleinen Hauses im ersten Stock über respektable Ausmaße. Der »höhere« Standort wird auch optisch herausgestrichen: Die Wände sind mit Wölkchen und strahlend blauem Himmel bemalt, dazu passend die 80 dunkelbauen Sessel, ein Vorhang, der hell und bunt glitzert und ein an der rechten Seitenwand aufsteigender Fesselballon. Der Gesamteindruck ist tatsächlich so, wie sich die Firma Kinoplan Gerhard Schäfer (Heilbronn/Talberg) und Familie Eppler das vorgestellt haben: leicht und luftig.
Die moderne Kinotechnik, darunter »die zur Zeit aufwendigste Dolby-Lichttonanlage« (die niederen Frequenzen über Extrakarte, 3x500 Watt) und natürlich CD lieferte Norbert Klitzing (Backnang). Ein halbes Jahr hat der vom Architeturbüro Schulze & Simko geleitete Umbau des eine zeitlang als Mögellager genutzten Gebäudes gedauert. Die ortsansässigen Firmen waren, so Berhard Eppler, mit Begeisterung bei der Sache: »Des hätt mer net denkt, daß do no amol a Kino draus wird!« meinte ein Schreiner, der das alte Olympia noch aus seiner Jugendzeit kannte.
Direkt vom Kassenraum aus, als eine Art erweitertes Foyer, ist ein angegliederter Gastronomiebetrieb zu erreichen. Ebenfalls im gleichen Gebäude, einen Stock höher, wo bis zum Umbau das alte Corso Filme zeigte, bietet eine Billardbar mit Palmen und Ventilatoren »Casablanca«-Atmosphäre. Beste Voraussetzungen also für die Erhaltung bzw. Erneuerung der Kinokultur in der Provinz.
»Ein richtiges Kino gehört einfach zu einer Stadt«, sagt Familie Eppler. Und ein richtiges und schönes Kino in Winnenden hofft jetzt nur noch darauf, daß auch die Verleiher ihre neuen Filme da aufführen wollen, wo für das gute Bild und den guten Ton bestens gesorgt ist.
Quelle: Filmtheater 1/1988


Saal 1950 (Bildquelle: Der Neue Film 49/1950)

   
Vielen Dank an Robert Bernnat für die Bilder

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